Steuert Muslimbruderschaft Bonner Moschee?

Halbmond auf Minarett-Spitze

Steuert Muslimbruderschaft Bonner Moschee?

Von Tobias Al Shomer

  • Muslimbruderschaft als verfassungsfeindlich eingestuft
  • Größere Gefahr als radikale Salafisten
  • Einfluss der Bewegung wächst

Beim Freitagsgebet in der Bonner „Al Muhajirin“-Moschee predigt seit Monaten ein Imam aus Frankfurt. Nach WDR-Informationen war es eine bewusste Entscheidung für genau diesen Imam und eine Entscheidung mit Signalwirkung. Dass dieser Imam predigt, beobachtet der Verfassungsschutz mit Sorge: "Er gehört zu den Personen, die europaweit vernetzt sind, die auch als Religionsführer gelten und die die Muslimbruderschaft in Europa nicht nur vernetzen, sondern auch sehr stark steuern und lenken", sagt Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes.

Muslimbruderschaft seit Jahrzenten aktiv

Muslime beim Gebet

Muslime beim Gebet

Die Muslimbruderschaft kommt ursprünglich aus Ägypten. Da haben sie sich in den zwanziger Jahren gegründet. Seit Jahrzehnten ist die Bewegung aber auch in Deutschland aktiv. Auch in NRW. Der Verfassungsschutz beobachtet sie seit Jahren. Gewaltbereit seien die Muslimbrüder nicht, aber sie seien dennoch eine große Gefahr für die Demokratie in Deutschland, erklärt Freier: "Das besondere an den Muslimbrüdern ist aus Sicht des Verfassungsschutzes, dass sie zwar nach außen hin sehr loyal wirken, auch verfassungsfeindliche Äußerungen in der Sprache nach außen vermeiden. Nach innen wissen wir aber, sie haben eine Ideologie, die eine verfassungsfeindliche Ideologie ist. Islam ist Religion und Staat. Das bedeutet, die Volkssouveränität, unsere Grundwerte in Bezug zum Beispiel auf Gleichheit, werden hier negiert."

Ziel der Muslimbruderschaft sei ein Staat mit islamistischem Regierungssystem auf der Grundlage der Scharia sowie der islamischen Rechts- und Lebensordnung, so steht es auf der Internetseite des Verfassungsschutzes NRW.

Einfluss der Muslimbruderschaft

Der Imam ist nicht der einzige Beleg für den Einfluss der Muslimbruderschaft in Bonns größter Moschee. Bei unseren Recherchen stoßen wir auf die „Deutsche Muslimische Gemeinschaft“ (DMG). Vor wenigen Monaten hieß dieser Verband noch „Islamische Gemeinschaft Deutschland“. Sicherheitsbehörden ordnen diese Vereinigung klar den Muslimbrüdern zu. Den Vorsitz hat seit kurzem ein Vorstandsmitglied der Bonner „Al Muhajirin“-Moschee.

Sicher ist auch, dass es im April 2018 eine Schulung in der Moschee gab mit Referenten, die den Muslimbrüdern nahe stehen. Für den Verfassungsschutz ist es ein weiterer Beleg für den Einfluss der Muslimbrüderschaft in der Moschee.

Die Moschee weist die Vorwürfe zurück. Man halte sich an Recht und Ordnung und agiere nicht verfassungsfeindlich. Im Gegenteil: Die Gemeinde setze sich für Integration ein. Auch der Imam sei unbedenklich und habe nie irgendetwas Verwerfliches gepredigt. Das könne man beweisen. Das überzeugt den NRW-Verfassungsschutz nicht. Er beobachtet die Moschee weiterhin.

Landesregierung ist alarmiert

Joachim Stamp (FDP)

Integrationsminister Joachim Stamp ist alarmiert

Inzwischen hat sich auch die NRW-Landesregierung eingeschaltet. Integrationsminister und stellvertretender Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) ist alarmiert angesichts der Entwicklung in Bonns größter Moschee: "Das ist völlig indiskutabel. Jede Moscheegemeinde, die so etwas macht, schadet sich selbst ganz massiv. Mit solchen Gemeinden kann es dann auch keinen Dialog mehr geben. Wir werden sie ganz klar auffordern, hier Konsequenzen zu ziehen."

Integrationsminister kündigt konkrete Konsequenzen an

"Für uns ist wichtig, dass wir in Nordrhein-Westfalen jetzt einen neuen Dialog starten. Es gibt eine neue Plattform. Wir beginnen am 1. Juli mit der ersten Veranstaltung, wo wir ganz unterschiedliche Moscheegemeinden einladen. Aber wer eben nicht dazugehört, sind diejenigen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden."

Stand: 19.06.2019, 16:50