Bundeskunsthalle Bonn: Von Mossul nach Palmyra

Tempel des Baalschamin vor der Zerstörung.

Bundeskunsthalle Bonn: Von Mossul nach Palmyra

Von Henning Hübert

  • Vermessungen mit Drohnen
  • 3D-Rekonstruktionen von Welterbestätten
  • Ausstellung in Kooperation mit Pariser Institute du Monde Arabe

Die Sprengungen durch den so genannten Islamischen Staat in den rund 2000 Jahre alten Tempelanlagen der syrischen Oasenstadt Palmyra im Jahr 2015 haben die Weltbevölkerung aufgerüttelt. Wissenschaftler und Computertechniker lassen diese und andere Weltkulturerbestätten wieder auferstehen.

3D-Simulationen des zerstörten Weltkulturerbes

Nach umfangreichen Datenauswertungen und Vermessungen mit Drohnen präsentieren sie in der Bonner Bundeskunsthalle sagenumwobenes, aber jetzt eben auch zerstörtes Weltkulturerbe: Mossul (Irak), Aleppo, Palmyra (beide Syrien) und Leptis Magna (Libyen).

Auf riesigen Flachbildschirmen und mit 3D-Brillen lässt sich die frühere Wirkung der Architektur nacherleben. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Pariser Institute du Monde Arabe und ist von Freitag (30.08.2019) bis Anfang November 2019 zu sehen.

In Bonn erstehen Mossul, Aleppo und Palmyra neu

Von Thomas Köster

Mossul, Aleppo, Palmyra: Die Städte stehen für sagenumwobene Kulturschätze ebenso wie für barbarische Zerstörung. In der Bonner Bundeskunsthalle sind ab Freitag (30.08.2019) atemberaubende filmische Rekonstruktionen zu sehen, dreidimensional in Virtual Reality.

Oasenstadt Palmyra, 2009

Irak, Syrien und Libyen sind zurzeit geprägt von Krieg und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Im ideologischen Zentrum der Kriegsparteien steht auch die systematische Zerstörung von kultischen Bauwerken und religiösen Stätten der jeweils anderen Seite mit dem Ziel, kulturelle Identität zu zerstören. Sinnbildlich hierfür ist die syrische Oasenstadt Palmyra, "Perle des Orients" und Unesco-Weltkulturerbe, die seit 2015 vom sogenannten "Islamischen Staat" systematisch zerstört worden ist.

Irak, Syrien und Libyen sind zurzeit geprägt von Krieg und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Im ideologischen Zentrum der Kriegsparteien steht auch die systematische Zerstörung von kultischen Bauwerken und religiösen Stätten der jeweils anderen Seite mit dem Ziel, kulturelle Identität zu zerstören. Sinnbildlich hierfür ist die syrische Oasenstadt Palmyra, "Perle des Orients" und Unesco-Weltkulturerbe, die seit 2015 vom sogenannten "Islamischen Staat" systematisch zerstört worden ist.

Mit Hilfe modernster Technik und virtueller Rekonstruktionen erweckt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle nicht nur Palmyra, sondern auch Mossul (Irak), Aleppo (Syrien) und Leptis Magna (Libyen) zu neuer Pracht und Größe. Hier die 3D-Rekonstruktion des Minaretts der Umayyaden-Moschee in Aleppo.

Dabei stehen in aufwändigen Videoprojektionen historische Zeugnisse neben spektakulären Aufnahmen vom erschreckenden Ist-Zustand, ...

... aus dessen Ruinen sich dann die Rekonstruktionen aufbauen - ein stummes Zeugnis früherer Größe, aber sicher auch später einmal eine große Hilfe beim etwaigen Wiederaufbau (3D-Darstellung der Al-Nuri-Moschee in Mossul).

Besonders imposant sind jene drei Räume, in denen die Besucher mit VR-Brillen von Bonn aus durch die Stätten des Weltkulturerbes wandeln können. Hier durch die libysche antike Stadt Leptis Magna, das von den Phöniziern gegründete "afrikanische Rom". Im dritten Jahrhundert nach Christus war es einer der prachtvollsten Orte im Mittelmeerraum. Hier sind vor allem die zersetzenden Wetterbedingungen für die Vernichtung der Stätte, von der kaum zehn Prozent freigelegt sind, verantwortlich.

Vor allem aber dokumentieren die Präsentationen, dass das kulturelle Erbe des Nahen Ostens und von Nordafrika im Grunde auf einen eng vernetzten Austausch zwischen den Nationen beruhte: Ihr dunkles, auf Intoleranz und Vernichtung hin ausgerichtetes Mittelalter erleben diese Länder im Grunde erst jetzt. Und das in großen Teilen der in den letzten Jahren erschütterten arabischen Welt (VR-Ansicht des Basars von Aleppo).

"Die vier hier vorgestellten Orte stehen stellvertretend für viele andere - aufgrund ihrer langen und komplexen Geschichte, der Bilder, die sie wachrufen, aber auch wegen der Schönheit ihrer Bauwerke", heißt es dem entsprechend von den Machern der Schau. In diesem Sinne hinterlässt die in Bonn angestrengte Reise "Von Mossul nach Palmyra" auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck.

Wer noch im September in die Ausstellung geht, sollte sich auf keinen Fall die Ausstellung "Power Play" mit den Fetisch-Skulpturen von Anna Uddenberg entgehen lassen. Uddenberg beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Konventionen, mit der oft exzessiven Konsumkultur und mit Rollenbildern von Weiblichkeit, wie Kuratorin Susanne Kleine betont. Vor allem aber ist der Raum wahrnehmungsästhetisch ein Ereignis, zu sehen bis zum 22. September.

Ebenfalls bis 22. September 2019 ist auch noch "Goethes Garten" auf dem Dach der Bundeskunsthalle geöffnet. Wenn es nicht zu heiß ist, kann man sich dort ausgezeichnet von den sinnlichen Eindrücken der Ausstellungen im Erdgeschoss erholen. Das bringt auch Orient und Okzident wieder zusammen.

"Von Mossul nach Palmyra. Eine virtuelle Reise durch das Weltkulturerbe" ist noch bis zum 3. November 2019 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter und klug betexteter Katalog erschienen.

Ausstellung ganz ohne Originale

Zerschossene Wohnungen, ausgebrannte Autowracks, eingestürzte Sakralbauten: Ein Drohnenflug übers zerstörte irakische Mossul eröffnet diese außergewöhnliche Bonner Schau.

3D Simulation der großen Moschee des an-Nuri aus dem 12. Jahrhundert.

3D Simulation der großen Moschee des an-Nuri

Es ist eine Ausstellung ganz ohne Originale, aber mit sehr eindrücklichen Bildern und Videos: Modernste 3D-Rekonstruktionen erzählen davon, wie sie mal aussahen, die Unesco-Welterbestätten Mossul sowie Aleppo und Palmyra in Syrien.

Hinzu kommt das riesige Leptis Magna, das frühere Rom Afrikas. Die römische Ruinenstadt an der Mittelmeerküste Libyens verfällt heute mehr oder weniger unbewacht.

Virtuelle Reise

Technik einer französischen Computerspielefirma hilft den Ausstellungsmachern beim virtuellen Wiederaufbau. So errichten sie die von der Terrormiliz des sogenannten "Islamischer Staats" gesprengten Tempelsäulen von Palmyra wieder, ebenso die eingestürzten Minarette von Mossul und Aleppo.

Beeindruckende Interviews über die vergeblichen Rettungsversuche der Bewohner begleiten die virtuelle Reise durch die Welterbestätten, die in nur zehn Jahren Krieg ihre Schönheit verloren haben.

Virtuelle Reise durch zerstörtes Weltkulturerbe

01:00 Min. Verfügbar bis 29.08.2020

Stand: 29.08.2019, 15:19

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