Lange Schlangen für Astrazeneca: Sonder-Impfungen in Kölner Zentralmoschee

Warteschlange für die Coronaschutzimpfung in Köln

Lange Schlangen für Astrazeneca: Sonder-Impfungen in Kölner Zentralmoschee

Sonder-Impf-Aktion in der Kölner Zentralmoschee am Wochenende: Der Andrang war riesig. Insgesamt wurden fast 3.200 Menschen gegen Corona geimpft - die meisten mit Astrazeneca.

Die Menschenschlange vor der Kölner Ditib-Zentralmoschee misst auch am Sonntag wieder mehrere hundert Meter - sie alle wollen sich gegen Corona impfen lassen und haben teils seit 4 Uhr gewartet. Schon am Samstag war der Andrang enorm: Obwohl das Gotteshaus erst um 9.30 Uhr seine Pforten öffnete, hatten sich einige Wartende bereits Stunden vorher auf ihren Klappstühle installiert.

Sie alle wollten eine der überschüssigen Impfdosen aus dem Impfzentrum bekommen, die dort an diesem Wochenende verabreicht wurden - an jeden, der wollte. Insgesamt an fast 3.200 Menschen.

Angesprochen waren ursprünglich vor allem Menschen aus Ehrenfeld und Kölner Hotspots mit einer Wocheninzidenz von mehr als 300. Es kamen aber Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet. Einen Termin musste man dafür nicht vereinbaren.

Zusätzliche Impfärzte wegen des großen Andrangs

Jonas Kliesow hatte ab 6.20 Uhr auf eine Impfung gewartet.

Jonas Kliesow hatte ab 6.20 Uhr auf eine Impfung gewartet.

"Ich bin um 6.20 Uhr hergekommen", sagt Jonas Kliesow, der am Samstag ganz vorne in der Reihe steht. Eigentlich wäre der 43-Jährige aus Sülz noch nicht an der Reihe, was das Impfen angeht. "Als das durch die Medien ging, dass hier heute geimpft wird, dachte ich aber, das ist eine Möglichkeit, die man nutzen kann und sollte", so Kliesow.

Ähnlich dachten offenbar viele Menschen in Köln. "Da wir so einen großen Andrang haben, werden wir von Seiten der Impfärzte noch einmal nachsteuern," sagt die Kölner Impfärztin Nora Bertenburg dem WDR am Samstagmittag. "Dann können wir neben den sechseinhalb Impfstraßen, die wir bereits in Betrieb haben, noch zusätzliche einrichten."

Impfdosen für Sonntag nachbestellt

Ursprünglich waren für die Impfaktion an diesem Wochenende nur 2.000 Dosen Astrazeneca vorgesehen. Doch schon am Samstag waren 1.450 Dosen verimpft worden. Daher bestellte die Kassenärztliche Vereinigung alle verfügbaren Impfdosen aus dem Kölner Impfzentrum für Sonntag nach. Die Leitende Impf-Ärztin betonte am Sonntagabend, die Kassenärztliche Vereinigung wolle so schnell wie möglich weitere große Impftermine für alle Bürger anbieten. Dafür müsse die Landesregierung aber unbürokratisch zusätzlichen Impfstoff freigeben.

Verimpft wurde neben dem Vakzin von Astrazeneca auch der Impfstoff von Johnson & Johnson, bei dem bereits eine Injektion für den vollständigen Impfschutz ausreicht. Daher wurde er laut Bertenburg auch nur an Menschen aus Hochinzidenz-Vierteln verimpft. "Wir machen tatsächlich eine Kontrolle, um zu sehen, wo die Patienten herkommen", so die Impfärztin.

Wenige Gemeindemitglieder der Moschee bei Impf-Aktion

Auch am Sonntag wurden wieder die Klappstühle rausgeholt.

Auch am Sonntag wurden wieder die Klappstühle rausgeholt.

Die Kassenärztliche Vereinigung habe den Moscheeverband Ditib angesprochen und gefragt, ob die Impfaktion in der Zentralmoschee stattfinden könne, sagt Kazim Türkmen, Vorsitzender des Ditib-Bundesverbandes und Hausherr der Zentralmoschee Türkmen zur Genese der Aktion. Doch nicht nur die Räume stellte Ditib zur Verfügung. Studenten der Gemeinde unterstützten die Ärzte bei den Impfungen.

"Wir freuen uns, dass wir so vielen Menschen helfen können", so Türkmen, der die Sonder-Impf-Aktion bereits am Samstag als vollen Erfolg bezeichnete. Und das, obwohl unter den Wartenden laut Türkmen nur wenige Mitglieder der Moschee-Gemeinde sind. "Von ihnen sind viele bereits älter als 60 Jahre und geimpft."

Zweitimpfung nach sieben oder zwölf Wochen

"Früh aufstehen hat sich gelohnt", so Kliesow, als er die Moschee nach der Impfung verlässt. Mögliche Nebenwirkungen oder Impfreaktionen auf den Impfstoff von Astrazeneca machen ihm keine Sorgen. "Ändern kann ich es nicht", so der 43-Jährige, "aber ich denke, ich bin relativ gesund."

Und wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, will Kliesow in zwölf Wochen wieder zur Zentralmoschee kommen - für die zweite Impfung. "Ich könnte mich auch schon in sieben Wochen noch mal impfen lassen", so Kliesow. "Dann ist der Impfschutz aber noch nicht so hoch."

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Sonder-Impf-Aktion auch in Münster

Auch in Münster gibt es seit Samstag eine Sonder-Impf-Aktion - und zwar für Menschen aus sozial benachteiligten Vierteln. Begonnen wurde im Stadtteil Coerde. Dort lagen die Inzidenzen zwischenzeitlich bei über 500.

Stand: 09.05.2021, 18:58