Braunkohle-Strukturwandel: Morschenich-Alt als Paradebeispiel

Präsentation des gelben Ortsschildes mit schwarzer Schrift: "Morschenich-Alt, Ort der Zukunft"

Braunkohle-Strukturwandel: Morschenich-Alt als Paradebeispiel

Eigentlich sollte das Dorf dem Tagebau Hambach weichen. Der Kohlekompromiss verhindert das. Seit heute zeigen Schilder an: Das alte Dorf wird zum "Ort der Zukunft".

Das bisherige Dorf Morschenich hätte eigentlich keine drei Jahre mehr gehabt: Der Ortsteil der Gemeinde Merzenich im Kreis Düren sollte abgebaggert werden. Jedoch: Morschenich bleibt, weil der Hambacher Forst bleibt. Der Wald liegt in Sichtweite des Dorfes; er bleibt im Rahmen des vereinbarten Ausstiegs aus der Braunkohle erhalten. Das war auch die Rettung für den kleinen Ort dahinter.

Statt Abbaggern jetzt "Ort der Zukunft"

Fast alle Bewohner sind schon umgesiedelt, viele nach Morschenich-Neu. Am Freitag hat das verlassene Dorf am Hambacher Forst einen neuen Namen erhalten: "Morschenich-Alt - Ort der Zukunft". Bürgermeister Georg Gelhausen und Gemeindevertreter stellen dazu nun an den Ortseingängen neue Schilder mit diesem Namenszusatz auf. Sie wollen die neue Perspektive deutlich machen und so der tristen Endzeitstimmung im verwaisten Ort etwas entgegensetzen.

"Zukunftsregion Agrar & Klima"

Der Gemeinde Merzenich schwebt ein Ort für nachhaltige Projekte zur Agrar- und Klimazukunft vor, mit Start-ups, Unternehmen, Forschungslaboren, Bildungseinrichtungen und auch neuem Wohnen. In den Konzepten heißt das "Zukunftsregion Agrar & Klima".

Unter der Überschrift Bio-Ökonomie gibt es bereits konkrete Vorhaben mit dem Forschungszentrum Jülich. Da geht es um neue Anbaumethoden oder dürreresistente Pflanzen in der Landwirtschaft. Eine weitere ehrgeizige Idee: Mitte der 2030er-Jahre könnte Alt-Morschenich Gastgeber sein für einen Klimagipfel im früheren Rheinischen Braunkohlerevier - als Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel.

Keine Zukunft ohne Herkunft

Bei all dem soll die Zukunft durchaus in alten Gebäuden Platz finden. Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Rheinland haben bereits begonnen zu prüfen, welche Gebäude erhaltenswert sein könnten, weil sie etwa typisch für den ländlichen Raum sind.

Die Kirche St. Lambertus aus dem 16. Jahrhundert steht bereits unter Denkmalschutz. Im Ort gibt es auch typische Vierkant-Bauernhöfe oder andere Gebäude, die als markante Zeugen der Vergangenheit gelten könnten. "Keine Zukunft ohne Herkunft" formuliert etwa Bürgermeister Gelhausen die Idee dahinter. Bis Herbst wollen die LVR-Denkmalpfleger ihre Ergebnisse vorlegen.

Stand: 29.01.2021, 15:32