25 Jahre alter Mordfall: Angeklagter schweigt

Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal

25 Jahre alter Mordfall: Angeklagter schweigt

Von Helga Lennartz

Unter großem Medieninteresse hat am Dienstag vor dem Aachener Landgericht der Prozess um einen rund 25 Jahre alten Mordfall begonnen. Das Opfer, ein 43 Jahre alter Mann aus Würselen, konnte erst 2019 identifiziert werden.

Ruhig und konzentriert verfolgte der 51 Jahre alte Angeklagte aus Übach-Palenberg seinen ersten Prozesstag. Sagen will er bislang nichts, weder zur Person noch zum schweren Vorwurf.

Grausam und aus Habgier soll er zwischen November und Anfang Dezember 1996 einen Mann in Würselen ermordet haben, zusammen mit einem vor Jahren in der Türkei tödlich verunglückten Mittäter. Laut Staatsanwalt ging es um 5000 DM. Die Männer hätten ihr Opfer erst mit einem Hammer geschlagen, dann mit einem Seil erdrosselt. Später hätten sie die Leiche in einen Teppich gerollt und zu einer rund 100 Kilometer weit entfernten Sandkuhle bei Rheurdt-Schaephuysen im Kreis Kleve gebracht. Dort wurde sie am 8. Dezember 1996 von einem Jäger zufällig entdeckt.

Polizei tappte lange im Dunkeln

Die Mordkommission vermutete damals, dass es sich bei dem unbekannten Toten um einen polnischen Saisonarbeiter handeln würde, sagte der damalige Ermittler im Prozess. Es habe auch keine Vermisstenanzeige gegeben.

Mord verjährt nicht, und deshalb geraten sogenannte Cold Cases - alte, ungeklärte Mordfälle - nicht in Vergessenheit, sondern werden immer wieder neu aufgerollt. So auch der „Fall Sandkuhle“. Mit modernster Technik konnte ein Phantombild des Opfers erstellt werden und der Fall wurde 2019 bei „Aktenzeichen xy-ungelöst“ vorgestellt. Daraufhin meldete sich ein angeblicher Mitwisser der Tat. Der Tote sei ein Mann aus Würselen, der mit Wohnmobilen gehandelt habe.

Ein Jahr später wurde der Angeklagte festgenommen. Er soll gelegentlich in der Werkstatt des Opfers gearbeitet haben.

Tochter will wissen, was mit ihrem Vater geschah

Im Prozess tritt die Tochter des Opfers als Nebenklägerin auf. Sie war sieben, als ihr Vater plötzlich verschwand."Meine Mandantin will wissen, was damals geschah und warum", sagt ihre Anwältin Sabine Appel. Die Eltern lebten damals getrennt, aber der Vater habe sich immer gut um seine Kinder gekümmert, so die Erinnerung der Tochter. Es sei sehr, sehr schlimm gewesen, als er plötzlich weg war, sagte die heute 31-Jährige vor Gericht. Ihre Familie glaubte damals, der Vater habe sich wegen seiner hohen Schulden ins Ausland abgesetzt. Mit ihm verschwand sein VW-Bus und sein Hund.

Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten eine lebenslange Haft.  Gehen die Richter aber letztlich von einem Totschlag aus, dann wäre die Tat inzwischen verjährt.

Stand: 20.04.2021, 17:53

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