Moscheeverein bestreitet Salafismus-Vorwürfe

Das Gebäude des durchsuchten Moscheevereins in Mönchengladbach

Moscheeverein bestreitet Salafismus-Vorwürfe

  • Hausverbot für Prediger Pierre Vogel
  • "Wir haben mit diesem Kerl nichts zu tun"
  • Innenministerium prüft weiter Vereinsverbot

Zehn Tage nach der Durchsuchung des Mönchengladbacher Moscheevereins "Masjid Arrahman" hat sich die Gemeinde am Freitag (23.11.2018) erstmals zu den Salafismus-Vorwürfen geäußert. Gemeindevorstand Mohamed Ouahlit erklärte gegenüber dem WDR, man wolle eine "offene Moschee": "Jeder kann bei uns seine Gebete verrichten. Wir können die Beter nicht kontrollieren und sagen: Dieser oder jener Mensch ist mit der Grundordnung von Bundesrepublik Deutschland nicht einverstanden."

"Schwester, dein Rock ist zu kurz"

Der Sozialarbeiter Sebastian Merkens hat lange in der Salafismus-Prävention gearbeitet. Er hat mit dem Wachsen der Moscheegemeinde Veränderungen im Viertel bemerkt. Viele Jugendliche, die hier zur Schule gehen, hätten angefangen, sich zu radikalisieren. Sie hätten ihren Mitschülern gegenüber Forderungen aufgestellt, wie "Schwester, dein Rock ist zu kurz" oder "Bruder, du benimmst dich haram" oder "Wir trinken keinen Alkohol". Den Ursprung für solche Forderungen sieht der Sozialarbeiter im Koranunterricht der durchsuchten Moscheegemeinde.

Unterwanderung durch Salafisten?

Der radikale Prediger Pierre Vogel

Der radikale Prediger Pierre Vogel

Das Innenministerium prüft, ob der Verein immer mehr von Salafisten unterwandert wird. Viele aus der Szene hätten sich nach dem Scheitern eines salafistischen Vereins im Mönchengladbacher Norden umorientiert und kämen nun nach Rheydt. Auch wenn hier für die bekannten Prediger Sven Lau und Pierre Vogel seit Jahren Hausverbot herrscht. Offiziell verhängt durch den Moscheevorstand.

Auswertung der Razzia kann Monate dauern

Dennoch versichert Sozialarbeiter Merkens, er habe gehört, Pierre Vogel habe trotz des Hausverbotes als Gastprediger reden dürfen – bis vor etwa anderthalb Jahren. Moscheevorstand Mohamed Ouahlit bestreitet das entschieden: "Wir haben mit diesem Kerl überhaupt nichts zu tun."

Ob Mohamed Ouahlit damit den Innenminister überzeugt? Der will erst die Ergebnisse der Polizei-Razzia auswerten. Das kann, so meinen Experten, noch mehrere Monate dauern. Innenminister Herbert Reul erklärte bisher nur: Theoretisch sei ein Vereinsverbot denkbar, sollte das vorhandene Material dafür ausreichen.

Stand: 23.11.2018, 20:49