Mehrere Katzen fressen zusammen aus Näpfen

Gnadenhof: "Die Katzen sterben uns unter den Fingern weg"

Stand: 28.01.2022, 11:29 Uhr

Mehr als 300 streunende Katzen hat der Gnadenhof MonRo-Ranch e.V. in Mönchengladbach in den letzten Monaten gerettet und gepflegt. Damit es nicht noch mehr werden, fordert der Gnadenhof von der Stadt eine Kastrationspflicht für Katzen – Mönchengladbach sieht das jedoch anders.

Von Charlotte Hoffmann

Ziegen, Schafe, Pferde, Esel, Katzen und viele weitere Tiere leben auf der MonRo-Ranch, Gnadenhof in Mönchengladbach. Auf den grünen Wiesen und auch in den Ställen ist deshalb immer etwas los. Doch der Hof, der verwaisten und pflegebedürftigen Tieren ein neues und sicheres Zuhause bietet, kommt aktuell an seine Grenzen. Grund dafür sind die vielen freilebenden Katzen in der Stadt.

Straßenkatzen vermehren sich unkontrolliert und sind oft krank

Allein in den vergangenen acht Monaten haben die Ehrenamtler der MonRo-Ranch über 300 Katzen eingefangen und kastrieren lassen. "Eine Kastration kostet zwischen 80 und 150 Euro. Dazu kommen die Kosten für Zusatzbehandlungen und Medikamente", erklärt Michael Geneschen von der MonRo-Ranch. "Wir sind ein Verein, der sich über Spenden finanziert. Auf Dauer sind die Kosten zu viel für uns."

Eine Katze mit ihren Babys

Das Streunerprojekt der Ranch gibt es seit 2020. Anfangs habe es noch nicht so viele wilde Katzen gegeben, doch im vergangenen Jahr sei die Population rasant gestiegen. "Die Stadt muss nun endlich handeln und das Leid der Tiere mindern. Nur eine Kastrationspflicht kann die Katzen schützen und verhindern, dass sie sich unkontrolliert vermehren", sagt Geneschen.

Stadt sieht keinen Grund für Kastrationspflicht

Die Stadt Mönchengladbach sieht aktuell jedoch keinen Anlass dafür, eine Kastrationspflicht für freilebende Katzen einzuführen. Sie bezieht sich in ihrer Stellungnahme an den WDR auf die Voraussetzungen, die laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) erfüllt sein müssen, damit eine Katzenschutzverordnung rechtssicher erlassen werden kann. Demnach sei die Katzenpopulation in der Stadt "nicht so hoch, dass es dadurch bedingt zu erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden an den freilebenden Katzen kommt". Zu dem Ergebnis war die Stadt nach einer Untersuchung des Stadtgebiets im Jahr 2017/18 gekommen, die sie in Zusammenarbeit mit fünf Mönchengladbacher Tierschutzvereinen durchgeführt hatte – und daran hält sie auch heute noch fest.

Laut Aussagen der Stadt würden die zuständigen Behörden weiter mit den Tierschutzvereinen zusammenarbeiten, sie beispielsweise beraten und bei der Beantragung von Fördermitteln für Kastrationsprogramme unterstützen. Auch finanzielle Hilfe hätte es bereits gegeben.

Für Geneschen sieht die Lage der Katzen anders aus. Fast alle eingefangenen Katzen seien krank, hätten Parasiten oder Infektionskrankheiten. "Viele sind ansteckend, so dass sich die Katzen auf der Straße alle untereinander anstecken – das ist wie ein Rattenschwanz. Viele von ihnen werden dann krank und leiden, da sie nicht geimpft sind."

Eine Tierretterin hat eine Katze auf dem Arm

Hinzu komme, dass viele Krankheiten wie der Katzenschnupfen auch für Haustiere und Menschen gefährlich sein könnten. "Sobald die Katzen gesund sind, setzen wir sie ja wieder an den Plätzen aus, wo wir sie eingefangen haben. Das sind oft Bauernhöfe, da sind sie auch gern gesehen", sagt Geneschen.

Unterschiedliche Regeln in umliegenden Städten

In den Städten und Kreisen in der Umgebung ist die Lage unterschiedlich: In Neuss und Düsseldorf gibt es bereits seit 2012 beziehungsweise 2016 eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen. Im Kreis Viersen soll in diesem Jahr eine entsprechende Katzenschutzverordnung kommen. Der Kreis Mettmann sieht es wie die Stadt Mönchengladbach: Es gebe keine Umstände, die es erforderlich machen würden, dass der Kreis eine Verordnung erlasse.

Für Geneschen von der MonRo-Ranch ist klar: "Auch wenn wir bisher kein Gehör gefunden haben, bleiben wir dran. Denn nur, wenn wir aktiv sind, können wir den Tieren helfen. Aktuell sterben uns die Tiere unter den Fingern weg – und das kann nicht sein".

Weitere Informationen finden Sie in der Lokalzeit um 19.30 Uhr am 28.01.2022.