Tod von Fabio: Mönchengladbacher Jugendamt sieht keine Versäumnisse

Tod von Fabio: Mönchengladbacher Jugendamt sieht keine Versäumnisse

  • Neuer Bericht: Jugendamt kannte Familie seit 2016
  • Kita hielt Gefährdung für wahrscheinlich
  • Jugendamt äußert sich

Der mutmaßlich gewaltsame Tod eines Fünfjährigen in Mönchengladbach wirft zunehmend Fragen nach der Rolle des Jugendamtes auf. Laut einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der SPD vom Dienstag (09.06.2020) soll es mehrere Kontakte zu der Familie und Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung gegeben haben.

Mehrere Kontakte seit 2016

Laut dem Bericht gab es seit November 2016 mehrere Gespräche mit der Mutter des Kindes, unter anderem weil Nachbarn sich über Lärm beschwert hatten. Im Februar dieses Jahres soll das Amt außerdem von einer Verletzung des kleineren Bruders des später Getöteten gewusst haben. Nach Gesprächen auch mit den behandelnden Ärzten sollen die Mitarbeiter der Mutter schließlich geglaubt haben, dass das Kind aus dem Bett gefallen sei.

Kita warnte vor Gefährdung

Einige Wochen vor dem Tod des Fünfjährigen soll die Kita des Jungen dem Jugendamt schließlich blaue Flecken gemeldet haben. Eine Kindeswohlgefährdung sei aufgrund der „augenscheinlichen Überforderung der Kindesmutter“ wahrscheinlich.

Laut dem Bericht ließ sich das Amt bei einem Hausbesuch wieder davon überzeugen, dass alles in Ordnung sei. Die Hämatome des Kindes seien „nachvollziehbar“ erklärt worden.

Jugendamt sieht keine Versäumnisse

Das Mönchengladbacher Jugendamt selbst äußerte sich am Mittwochmittag (10.06.20) gegenüber dem WDR zu der Sache und sieht demnach keine Versäumnisse. Nach der Verletzung des Bruders des Opfers habe man selbst die Kita um Wachsamkeit gebeten. Erst daraufhin habe die Kita einen blauen Fleck und eine mögliche Überforderung der Mutter gemeldet.

Bei einem Hausbesuch im März konnten die Mitarbeiter den Angaben zufolge aber keine Kindeswohlgefährdung feststellen. Man habe das Kind in Augenschein genommen und mit ihm gesprochen. Danach sei man nicht davon ausgegangen, dass ihm Gewalt angetan werde. Auch aus anderen Kontakten mit der Familie habe man keine Gefährdung des Kindes ableiten können.

Mutter und Lebensgefährte in U-Haft

Laut dem Bericht der Landesregierung muss noch ermittelt werden, ob die früheren Verletzungen den beiden Kindern gewaltsam zugefügt wurden. Klar ist, dass der Notarzt am 21. April 2020 den Tod des Fünfjährigen feststellte. Die Mutter und ihr Lebensgefährte sitzen in U-Haft. Ihm wird Totschlag vorgeworfen, ihr Totschlag durch Unterlassen.

Neue Erkenntnisse zum Tod des Jungen aus MG

00:45 Min. Verfügbar bis 10.06.2021


Stand: 10.06.2020, 20:00