Zwei Radfahrer auf einer Straße in Mönchengladbach, gerade werden sie von einem Auto überholt.

Mit Sensor für mehr Abstand: Wie Fahrrad-Fahrer gefährliche Straßen dokumentieren

Stand: 20.04.2022, 11:03 Uhr

Messung statt nur Gefühl: In Mönchengladbach wollen aktive Radfahrer dokumentieren, wie nah Autofahrer an ihnen vorbeifahren. Ziel ist es, dass in Zukunft gefährliche Straßen sicherer werden.

Damit sich die Radfahrer nicht mehr auf ihre Gefühle verlassen müssen, sondern handfeste Daten zur Verfügung haben, setzen sie ab sofort den sogenannten "Open Bike Sensor" ein. Den haben junge Ingenieure aus Stuttgart entwickelt, jetzt hängt er unter anderem bei Lucas Nagy und Stefanie Wolgast in Mönchengladbach am Fahrrad.

"Musste absteigen und durchatmen"

Überholt ein Autofahrer ein Fahrrad, ist ein gesetzlicher Mindestabstand von anderthalb Metern vorgeschrieben. Dieser wird oft genug nicht eingehalten. Mit dem Sensor kann nun gemessen werden, wie nah die Autos den Rädern tatsächlich kommen. Der Blick aufs Display am Lenker zeigt: Mal fahren Autos mit 98 Zentimetern Abstand vorbei, manchmal auch mit 1,44 Metern - immer noch unter dem eigentlichen Mindestabstand.

Radfahrer messen mit Sensoren Abstand beim Überholen

03:43 Min. Verfügbar bis 20.04.2023

Ein Bild des sogenannten "Open Bike Sensors". Dieser ist unter dem Sattel angebracht.

So sieht der "Open Bike Sensor" unter dem Sattel aus.

Lucas Nagy erzählt: "Das schlimmste Erlebnis war letzte Woche, da waren es sogar unter 50 Zentimeter Abstand zu einem Taxi, das auch mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbeigerast ist. Da habe ich mich sehr erschrocken und musste auch erst mal absteigen und eine Minute durchatmen."

Kein Anschwärzen der Autofahrer

In dem kleinen Kasten, der unter dem Sattel festgemacht wird, sind Ultraschallsensoren verbaut. Diese messen permanent den Abstand zu vorbeifahrenden Autos. Am Lenker wird angezeigt, wie viele Zentimeter Platz der Autofahrer lässt. Über einen roten Knopf kann Lucas Nagy den Auslöser drücken und so die Messung bestätigen.

Am Fahrradlenker ist ein kleines Display und ein roter Knopf angebracht. Damit kann der Abstand zu vorbeifahrenden Autos gemessen werden.

Der Auslöser: Drücken die Radfahrer den Knopf am Lenker, wird die Abstandsmessung aufgezeichnet.

Dabei geht es den Radfahrern in Mönchengladbach nicht darum, die Autofahrer anzuschwärzen. Die Messungen sind anonym. Viel mehr geht es Lucas Nagy und Stefanie Wolgast darum, auf das Problem aufmerksam zu machen. Stefanie Wolgast sagt: "Wir möchten dafür sorgen, dass Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ernst genommen und als wichtige Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden."

Mit den Daten, die auf einer Online-Karte gespeichert werden, sollen in Mönchengladbach besonders gefährliche Straßen identifiziert werden, damit diese dann in Zukunft sicherer gemacht werden können. Auch in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen sind aktive Radfahrer mit Sensoren unterwegs.