Entsetzen und Loyalität: Missbrauchsvorwürfe belasten Odenthaler Kirchengemeinde

Kirche St. Pankratius in Odenthal

Entsetzen und Loyalität: Missbrauchsvorwürfe belasten Odenthaler Kirchengemeinde

Von Frank Piotrowski

Der langjährige, inzwischen verstorbene Pfarrer von Odenthal soll eine Minderjährige missbraucht haben. Die Gemeinde schwankt zwischen Entsetzen über die Vorwürfe und Loyalität zu dem über Jahrzehnte geschätzten Pfarrer.

Montagabend veranstaltete das Erzbistum eine Informationsveranstaltung zu den Vorwürfen gegen den früheren Kreisdechanten des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Das Erzbistum hatte ein offenes Gespräch für die Gemeindemitglieder des Seelsorgebereich Odenthal/Altenberg angeboten. Wegen Corona konnten maximal 50 Menschen teilnehmen.  

Gemeindemitglieder sind bestürzt

Vor einer Woche wurden die Vorwürfe bei einem Sonntagsgottesdienst verkündet. Die Katholiken in Odenthal sind wegen der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihren langjährigen Pfarrer A. völlig bestürzt. Der 2009 bei einer Wandertour in Bayern tödlich verunglückte Geistliche soll nach Medienberichten jahrelang eine Messdienerin vergewaltigt haben.

Die Gemeindemitglieder, die am Sonntagmittag den Gottesdienst in der St. Pankratius-Kirche verließen, machten deutlich, dass sie jegliche Vorverurteilung des verstorbenen Priesters ablehnen. Die Taten seien nicht bewiesen und sie einem Toten Jahrzehnte später nachzuweisen, werde schwierig. Viele Gemeindemitglieder berichteten von einem Pfarrer, der zu jeder Zeit für die Familien in der Gemeinde dagewesen sei. Jemanden, der die Perspektive des mutmaßlichen Opfers vertritt, war nicht dabei.

Platz vor der Kirche ist nach dem Pfarrer benannt

Platz vor der Kirche St. Pankratius

Das Straßenschild vor der Kirche wurde abgehängt

Das Abhängen des Straßenschildes an dem Platz vor der Kirche, der den Namen des Beschuldigten trägt, finden viele übereilt. Auch Dr. Klaus Lehment, der jahrzehntelang im Kirchenvorstand war. Er und viele andere Gemeindemitglieder lehnen es aber auch ab, dass dies schnell wieder rückgängig gemacht wird. Denn das könnte provozieren und das wollen die hier versammelten Odenthaler Katholiken nicht. Sie wollen wieder zu einem normalen Gemeindeleben zurückkehren.

Interventionsbeauftragte des Erzbistums besucht Gemeinde

Dazu sollte am Montagabend um 18.30 Uhr das Gespräch im Kapitelsaal von Haus Altenberg beitragen. Die Interventionsbeauftragte des Kölner Erzbistums wollte zu allen Fragen Rede und Antwort stehen. Nicht nur potenzielle weitere mutmaßliche Opfer sollten hier gehört werden, sondern auch die Gemeindemitglieder.

Für viele von ihnen hat der jetzt beschuldigte Pfarrer einen festen Platz in ihrem Herzen, das können sie nicht einfach vergessen. Ob sich bereits weitere mögliche Opfer oder Zeugen zu den Vergewaltigungsvorwürfen geäußert haben, konnte das Erzbistum am Sonntag nicht beantworten.

Auch in der Gemeinde St. Pankratius in Odenthal konnte an diesem Sonntag niemand etwas von entsprechenden Neuigkeiten berichten. Kontakt zu dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer aus den 1990er Jahren hat niemand von ihnen.

Stand: 22.06.2021, 16:49