Missbrauchsverdacht in Goch: Was steckt hinter den Vorwürfen gegen die Sekte?

Das ehemalige Kloster Graefenthal in Goch

Missbrauchsverdacht in Goch: Was steckt hinter den Vorwürfen gegen die Sekte?

Die Vorwürfe gegen eine Sekte in Goch häufen sich – mittlerweile geht es auch um Gewalt und Missbrauch. Die Sekte weist die Vorwürfe von sich.

Seit Mittwoch werden immer mehr Details um die Festnahme eines Sektenmitglieds in Goch bekannt: Nach dem Verdacht, der 58-Jährige habe eine 25-Jährige im ehemaligen Kloster Graefenthal gegen ihren Willen festgehalten, stehen nun neue Vorwürfe im Raum. Der Mann, der sich selbst als "Prophet" bezeichnet, soll ein Kind in den Niederlanden in zehn Fällen über mehrere Jahre missbraucht und in Goch zwei Vergewaltigungen begangen haben.

Geschäftsführer widerspricht Vorwürfen

Orden der Transformanten im Kloster Graefenthal

Camiel Engelen, Geschäftsführer Kloster Graefenthal

Die Mitglieder der niederländischen Sekte "Der Orden der Transformanten" leben und wirken in dem ehemaligen Kloster Graefenthal. Geschäftsführer und Sektenmitglied Camiel Engelen widerspricht den Vorwürfen, sieht den Polizeieinsatz um die junge Frau am Mittwoch anders: "Sie ist von drei Polizisten gegen ihren Willen aus dem Gebäude getragen worden."

Fest steht: Mitglieder der Transformanten waren in den Niederlanden bereits zweimal in Gewaltdelikte verwickelt. Und auch in Nordrhein-Westfalen sehen Sektenexperten die Gemeinschaft kritisch. "Es gab dort die Regel, dass man die Gruppe nicht verlassen darf, ansonsten würde man die Wahrheit verraten", sagt Sabine Riede von Sekten-Info NRW e.V. "Das hätte zur Folge, dass einem etwas zustoßen kann, man von Gott bestraft wird."

"Das sind sehr nette Menschen, mit denen wir uns gut verstehen, die auch selbst Kinder haben"

Die Gemeinschaft auf dem Klostergelände schottet sich selbst nicht ab. Eine Eventagentur betreibt ein Café und einen Lieferservice, bietet Großveranstaltungen wie Mittelalterfeste an. Und auch ein Bogenschießverein übt hier regelmäßig. Den Mitgliedern sei nie etwas Verdächtiges aufgefallen. "Wenn ich dafür keine Beweise kriege, glaube ich das nicht. Das sind sehr nette Menschen, mit denen wir uns gut verstehen, die auch selbst Kinder haben", sagt eine Sportlerin des Vereins.

Orden der Transformanten im Kloster Graefenthal

Eine Eventagentur betreibt das Café im Kloster.

Auch für Stammgäste des Klosters sind die Vorwürfe ein Schock. Die Frau des Geschäftsführers habe sie von einer ganz anderen Seite kennengelernt, sagt eine Kundin: "Spirituell, warmherzig, hilfsbereit." Die Ursprünge des Klosters liegen fast 1000 Jahre zurück. Ein Förderverein kümmert sich um die Geschichte und bemüht sich um den Erhalt des Denkmals. Dort befürchtet man nun, dass die Vorwürfe auch die Zukunft der Anlage bedrohen. Denn der Erfolg der Eventagentur hatte auch dem Klostergelände gut getan. "Das wird auch für Graefenthal große wirtschaftliche Konsequenzen haben, wenn sich diese Vorwürfe erhärten", ist Hans Buffart, 1. Vorsitzender des Fördervereins, überzeugt.

Alle Folgen der Geschehnisse sind noch gar nicht abzusehen. Ebenso nicht die Zukunft der mutmaßlichen Opfer.

Stand: 23.10.2020, 18:42

Weitere Themen