Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Bergischer Ermittler gewährt Einblicke in seine Arbeit

Lokalzeit Bergisches Land 08.02.2022 25:26 Min. Verfügbar bis 08.02.2023 WDR Von Wolfram Lumpe

Missbrauchskomplex Wuppertal: Der harte Job der Ermittler

Stand: 09.02.2022, 09:49 Uhr

Ende Januar hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal Anklage gegen zwei Männer wegen sexualisierter Gewalt gegen Kinder erhoben. Tatorte seien Minden und Wetter an der Ruhr. Beiden Beschuldigten wird auch der Austausch von Kinderpornografie im großen Stil vorgeworfen. Die Ermittlungen ziehen jetzt weitere Kreise.

Von Wolfram Lumpe

Bei beiden Männern fanden die Ermittelnden mehrere Terabyte an Aufnahmen sexualisierter Gewalt. Gegen etwa 100 weitere Männer werden im Zuge dieser Ermittlungen voraussichtlich Verfahren eingeleitet.

Terabyte an Aufnahmen

Jörg Busse ist einer der Wuppertaler Beamten, die in diesem und anderen Fällen des sexuellen Missbrauchs ermitteln. Seine Arbeit teilt sich auf in Hausdurchsuchungen und Auswertungen von Festplatten, Smartphones oder Computern.

Jörg Busse, Kriminalpolizei Wuppertal

Jörg Busse, Kriminalpolizei Wuppertal

An die 700.000 Foto- und Video-Dateien hat er dazu auf einem nicht ans Netz angeschlossenen Rechner. Schon eine davon kann ihn und seine Kollegen auf die Spur eines Täters führen.

Die polizeiliche Logik ist klar: "Wer ein einziges Bild verbreitet hat, das ist einfach ein kriminalistischer Erfahrungswert, der macht sowas ständig", sagt Jörg Busse, "aus diesem einen Bild werden dann ganz schnell mal mehrere tausend Bilder."

Komplex sexualisierte Gewalt gegen Kinder

Lokalzeit2go - Bergisches Land 08.02.2022 00:27 Min. Verfügbar bis 08.02.2023 WDR Wuppertal Von Wolfram Lumpe


"Müssen Kindesmissbrauch verhindern"

Oliver Huth, Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW

Oliver Huth, Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW

Bei den Ermittlern im Bereich sexualisierter Gewalt in ganz NRW stapeln sich Akten und Durchsuchungsbeschlüsse. Und doch lobt der Bund Deutscher Kriminalbeamter Innenminister Reul. Er habe das Personal aufgestockt und die Polizei ins Zeitalter der Digitalisierung gebracht, sagt Oliver Huth, vom BDK. "Wir sind jetzt in der Lage, mit den Kolleginnen und Kollegen in Nordrhein-Westfalen digital zusammen zu arbeiten."

Und doch müssten die Kapazitäten weiter ausgebaut werden. "Wir müssen einfach den Kindesmissbrauch verhindern. Das sind wir unseren Kindern schuldig". Eine Aussage, die Jörg Busse absolut unterstützt. Und deswegen macht er weiter. Auch, wenn die Auswertung der kinderpornografischen Fotos eine belastende Arbeit ist.

Psychologische Betreuung ist wichtige Aufgabe

Elisabeth Auchter-Mainz, Opferschutz-Beauftragte NRW

Elisabeth Auchter-Mainz, Opferschutz-Beauftragte NRW

Die Seite der missbrauchten Kinder hat auch Elisabeth Auchter-Mainz im Blick. Die Opferschutzbeauftragte des Landes NRW bietet der Polizei psychosoziale Betreuung für die Opfer schon während der Ermittlungen an: "Die Eltern sind oft überfordert. Und es muss jemand neutrales da sein, der den Kindern den Gang eines Verfahrens erklärt, der bei ihnen ist, auch bei ihnen bleibt, und sich mit ihnen beschäftigt".

Jörg Busse und seine Kollegen werden die Missbrauchs-Ermittlungen weiter in Atem halten. Die Täter seien in allen Schichten zu finden. "Ich sag es mal ganz krass: Vom Messie über einen Lehrer, einen Doktor oder einen Richter haben wir alles dabei".