Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Neue Festnahme

Behördenversagen im Missbrauchsfall WDR aktuell 08.11.2019 Verfügbar bis 15.11.2019 WDR Von Jochen Hilgers

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: Neue Festnahme

Von Jochen Hilgers

  • Kindesmissbrauch: Siebte Festnahme
  • Vorwürfe gegen Behörden
  • Verdacht: Akten blieben liegen

Im Kindesmissbrauchsfall von Bergisch Gladbach hat es eine neue Festnahme gegeben. Ein 57 Jahre alter Mann aus Alsdorf wurde wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern festgenommen. Gegen den Mann wurde am Samstag (09.11.2019) Untersuchungshaft angeordnet. In welchem Zusammenhang er zu den anderen Missbrauchsfällen steht, ist noch unklar. Es ist insgesamt die siebte Festnahme.

Neue Erkenntnisse zu anderem Tatverdächtigen

Zu einem anderen Tatverdächtigen gibt es dagegen neue Erkenntnisse. Gegen den 26-jährigen aus Wesel lagen bereits seit Juni 2019 Vorwürfe vor. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft am Samstag (09.11.19). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kleve lagen im Juni jedoch noch keine Hinweise vor, dass der "Beschuldigte in einem Chatring zum Austausch kinderpornographischen Materials beteiligt gewesen sein soll."

Festgenommen wurde der Beschuldigte erst am 25. Oktober - nachdem der Fall in Bergisch Gladbach bekannt wurde und sich Spuren nach Wesel, dem Wohnort des Verdächtigen, ergeben hatten.

Siebter Tatverdächtiger festgenommen

WDR Studios NRW 09.11.2019 00:44 Min. Verfügbar bis 16.11.2019 WDR Online

Wurde weiterer Missbrauch möglich?

Empört reagierte Rainer Becker von der deutschen Kinderhilfe auf die neue Enthüllung. Da sei es offenbar zu einer dramatischen Unterlassung gekommen, sagte Becker. "Wenn durch so eine Fahrlässigkeit möglicherweise Kinder mehrfach missbraucht worden sind, obwohl dieser Missbrauch hätte beendet werden können bei sofortigem Handeln, da hat der verantwortliche Staatsanwalt im Grunde eine fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassung begangen und das müssen seine Kollegen ermitteln."

Rund 200 Beamte ermitteln

Der neue Fall von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch in NRW war in der vergangenen Woche bekannt geworden. Bislang sind den Ermittlern neun Opfer im Alter zwischen knapp einem Jahr und elf Jahren bekannt. Sieben Männer wurden festgenommen. Die Menge der beschlagnahmten und nun auszuwertenden Daten stieg auf zehn Terabyte.

Die Atmosphäre in der 200-köpfigen Ermittlungsgruppe soll niederschmetternd sein. Das Anschauen der mitunter unfassbar brutalen Film- und Fotodateien sei kaum zu ertragen, heißt es bei der Polizei. Sie hat deswegen eine spezielle Betreuungsstelle für die Ermittler eingerichtet.

Stand: 09.11.2019, 17:34