Landtag über Missbrauchsfälle informiert

Landtag über Missbrauchsfälle informiert

  • NRW-Landtag wird zu Missbrauchsfällen informiert
  • Fall in Wesel interessiert die SPD besonders
  • Rüge für zuständige Staatsanwaltschaft

Bei den Ermittlungen zum neuen Kindesmissbrauchsfall in Bergisch Gladbach und Wesel sind Versäumnisse der Staatsanwaltschaft in Kleve bekannt geworden. Bei einer Fragestunde im NRW-Landtag berichtete Justizminister Peter Biesenbach (CDU) von einer Rüge der Generalstaatsanwaltschaft an die Behörde in Kleve.

Auch das Handeln der Polizei in Wesel entspreche nicht seinem "hohen Qualitätsanspruch", erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwochnachmittag (13.11.2019) im Landtag.

Neun Verdächtige in U-Haft

Neben dem bereits festgenommenen Beschuldigten in Bergisch Gladbach habe die Polizei mittlerweile sieben weitere Verdächtige in Untersuchungshaft genommen, sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Bislang seien 17 Kontaktpersonen aus dem kinderpornografischen Chat ermittelt, in dem die Familienväter aus Wesel und Bergisch Gladbach Fotos und Videos ihrer Kinder und Stiefkinder verbreitet haben sollen. Neun Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs seien eingeleitet worden. Am Mittwoch (13.11.2019) wurde im Zuge der Ermittlungen ein neunter Verdächtiger aus Rheinland-Pfalz festgenommen.

Fall Wesel im Fokus

Beantragt wurde die die Fragestunde im Parlament von der SPD. Sie interessierte vor allem der Fall des Verdächtigen aus Wesel. Gegen den Mann war schon im Juni wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt worden. Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft Kleve erst im Oktober Untersuchungshaft angeordnet, nachdem Verbindungen des Mannes zum Fall in Bergisch Gladbach bekannt geworden waren. Die Staatsanwaltschaft Kleve begründet die späte Untersuchungshaft damit, es habe zunächst keine Hinweise auf schweren Missbrauch oder den Besitz von kinderpornografischem Material gegeben.

Ob es Hinweise darauf gebe, dass der Mann in der Zwischenzeit noch weiter Kinder missbraucht habe, wollte der SPD-Abgeordnete Sven Wolf wissen. Ja, es gebe Hinweise auf eine weitere Tat, man wissen aber "noch nicht genau, wann sie sich ereignet hat", antwortete Biesenbach.

Lehren aus Lügde

Innenminister Reul sagte: "Wir sind bei der Sensibilisierung für dieses Thema erst am Anfang". Er könne so etwas auch in Zukunft nicht ausschließen. Nach den Erfahrungen von Lügde steht für den Minister fest: "Wo Kinderpornografie ist, ist auch sexueller Missbrauch. Deshalb muss man beidem sofort intensiv nachgehen."

Aus einem Bericht der Staatsanwaltschaft Kleve, die dem WDR vorliegt, geht hervor, dass der Verdächtige aus Wesel gestanden hatte, sich bereits 2012 Fotos nackter Minderjähriger im Internet angesehen zu haben. Dies könne er weder dementieren noch bestätigen, sagte Reul, "kann sein, dass es neue Erkenntnisse gibt".

Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: Strafverschärfung gefordert

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.11.2019 04:55 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 WDR 5

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Stand: 13.11.2019, 17:59