Zahl der Messer-Attacken in Bonn gestiegen

Symbolbild: Jugenlicher, von hinten aufgenommen, hält aufgeklapptes Messer in der Hand

Zahl der Messer-Attacken in Bonn gestiegen

Von Christoph Hensgen

  • Angreifer vom Hauptbahnhof weiter flüchtig
  • Kripo fahndet nach 22-jährigem Mann
  • Polizei registriert immer mehr Messer-Attacken

Nach einer blutigen Messerattacke am Bonner Hauptbahnhof fahndet die Polizei noch immer nach dem Täter. Ermittler wissen mittlerweile, wer der Mann ist: Es handelt sich um einen 22-Jährigen. "Wir konnten das Opfer mittlerweile vernehmen", sagte Polizeisprecher Robert Scholten. "Er hat uns auf die Spur des mutmaßlichen Täters geführt".

Zahlreiche Fahrgäste wurden Zeuge der Tat

Der Gesuchte hatte am Donnerstagvormittag (30.05.2019) einen 19-Jährigen an einer U-Bahnhaltestelle im Hauptbahnhof schwer verletzt. Zahlreiche Fahrgäste, die auf dem Bahnsteig warteten, wurden Zeuge der Tat. Die Männer seien in Streit geraten, so die Polizei. Plötzlich habe der Unbekannte ein Messer gezogen und zugestochen.

Der Schwerverletzte kam in eine Klinik – Lebensgefahr bestand laut Polizei zu keinem Zeitpunkt. Mittlerweile gibt es auch Hinweise zu einem Motiv: Nach WDR-Informationen soll es bei dem Streit zwischen den beiden Männern um Drogen gegangen sein.

Messer werden immer häufiger eingesetzt

Unterdessen bestätigt der aktuelle Fall einen Trend, den die Bonner Polizei seit mehreren Monaten registriert: Insbesondere bei Straßenkriminalität – also Körperverletzungsdelikte, Raub oder Drogenkriminalität – kommt es immer häufiger zu Messerattacken. Tatverdächtige haben laut Polizei nicht nur immer häufiger ein Messer dabei, sie setzen es auch ein.

"2017 haben 24 verschiedene Mordkommissionen der Bonner Polizei (zuständig auch für die Kreise Rhein-Sieg und Euskirchen) ermittelt", sagt Polizeisprecher Robert Scholten. "In zehn der Gewaltdelikte, die meine Kollegen bearbeitet haben, war die Tatwaffe ein Messer". 2018 war die Anzahl der Fälle sogar noch etwas höher: Bei 25 Mordkommissionen war zwölf Mal ein Messer im Spiel.

Messerattacken sind schwierig abzuwehren

Dafür, dass die Messer lockerer sitzen, spricht auch der interne Umgang der Bonner Polizei mit dem Thema. So werden entsprechende Szenarien mittlerweile intensiver trainiert. "Das ist ein Bestandteil der internen Fortbildung", sagt Scholten. "Die Beamten werden speziell geschult und mit Stichschutzwesten gerüstet".

Ein Grund für die Übungen: Wenn ein Verdächtiger zum Messer greift, wird es für Einsatzkräfte besonders gefährlich, sagt die Polizei. Die Waffe werde am Körper getragen, sei also häufig nicht sichtbar. "Deshalb ist auch eine Attacke schwieriger abzuwehren", erklärt Scholten.

Prozess wegen Messerattacke auf Mitschüler Lokalzeit Südwestfalen 16.05.2019 Verfügbar bis 16.05.2020 WDR Von Michael Dittrich

Stand: 31.05.2019, 12:16

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