Prozess in Bonn: Messer-Angriff aus Rache

Angeklagter mit Verteidigerin und Dolmetscher im Gerichtssaal.

Prozess in Bonn: Messer-Angriff aus Rache

Von Ulrike Schödel

  • Prozess wegen versuchten Mordes und Körperverletzung
  • Mann soll Ex-Partnerin mit Messer angegriffen und gewürgt haben
  • Angeklagter gesteht Tat am ersten Prozesstag

Sechs Monate nach dem fast tödlichen Angriff gegen seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter von zwei gemeinsamen Kleinkindern in Siegburg muss sich seit Montag (13.01.2020) ein 27-Jähriger wegen versuchten Mordes, gefährlicher und schwerer Körperverletzung vor dem Bonner Schwurgericht verantworten. Die Anklage wirft ihm Heimtücke und niedrige Beweggründe vor.

Opfer nach Attacke bewusstlos

Am Tattag im Juli 2019 sollte der Vater den dreijährigen Sohn von der 19-jährigen Mutter abholen. Zwei Monate zuvor hatte sich die Frau von dem Angeklagten getrennt. Laut Anklage jedoch soll der Mann die Übergabe des Kindes im Hauseingang ausgenutzt haben, um sich für die Trennung zu rächen. Hinterrücks soll er der 19-Jährigen vor den Augen des gemeinsamen Kindes mit einem mitgebrachten Messer in Nacken und Rücken gestochen und sie anschließend gewürgt und gedrosselt haben, bis sie bewusstlos wurde. Als er glaubte, sie sei tot, flüchtete der 27-Jährige.

Er wurde am nächsten Tag in Köln festgenommen.

Der Angeklagte hat am ersten Prozesstag ein Geständnis abgelegt: "Alles, was ich ihr angetan habe, tut mir unendlich leid", erklärte der 27-Jährige. "Ich wollte sie nicht töten. Ich wollte sie nur verletzen, ich hatte soviel Wut und Frust in mir."

Der angeblich neue Freund der 19-Jährigen soll sich am Tattag beim Angeklagten per Instagram gemeldet und ihm gedroht haben, ihn "aufzusuchen und umzubringen". Auch soll er ein Foto von sich und der 19-Jährigen gepostet haben. Daraufhin habe der Angeklagte ein Messer eingesteckt, ohne einen genauen Plan zu haben.

Schwangere 19-jährige verlor durch Angriff drittes Kind

Die 19-Jährige, die einen Herzstillstand erlitten hat, konnte noch reanimiert werden. Sie befindet sich seitdem jedoch im Wachkoma. Kurz danach verlor die Frau, die zur Tatzeit schwanger war, ihr drittes Kind. Die Prognosen stehen nach Angaben ihrer Anwältin sehr schlecht.

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstermine angesetzt. 

Flüchtiger Tatverdächtiger aus Siegburg gefasst Lokalzeit2go - Bonn 12.07.2019 00:48 Min. Verfügbar bis 12.07.2020 WDR Bonn

Stand: 13.01.2020, 15:38

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