Tagebau Hambach - Dorfbewohner von Morschenich hoffen

Menschen aus Morschenich wollen ihre Häuser zurückkaufen 02:23 Min. Verfügbar bis 04.09.2020

Tagebau Hambach - Dorfbewohner von Morschenich hoffen

  • Dorf soll eigentlich Tagebau Hambach weichen
  • Nun neue Planung zum Erhalt vom Hambacher Forst
  • Frühere Dorfbewohner wollen wieder in ihre Häuser
  • RWE liegt Anfrage für Hausrückkauf vor

Das Dorf Merzenich-Morschenich soll dem Tagebau Hambach bis 2023 weichen - eigentlich. Die Berliner Kohlekommission schlägt aber vor, den nahe gelegenen Hambacher Forst zu erhalten.

Bei früheren Dorfbewohnern keimt daher Hoffnung: Vielleicht könnte der Ort doch noch erhalten bleiben. Wie der WDR nun erfuhr (04.09.2019), liegt dem Tagebau-Betreiber RWE eine erste Anfrage für den Rückkauf eines Hauses vor.

Ein verlassenes Haus steht im Dorf Morschenich, am Rande des Braunkohle Tagebaus Hambach, hinter einer eingerissenen Häuserwand.

Die meisten Bewohner haben ihr Dorf Morschenich inzwischen verlassen

Fast alle Häuser in Morschenich leer

Rund zehn Familien, heißt es in Morschenich, würden gerne ihr Haus von RWE zurückkaufen. Der Ort zählt derzeit nur noch 40 Einwohner. 90 Prozent der Häuser stehen leer. Es gibt keinen Bäcker mehr und auch keine Kneipe.

Sehnsucht nach altem Zuhause

Ehemalige Dorfbewohner wie Jürgen Gerden glauben aber trotzdem an eine Zukunft Morschenichs: "Jetzt wo der Hambacher Forst wahrscheinlich stehen bleiben soll, fragen wir uns als Alt-Morschenicher: Warum wollen die weiter den Ort abreißen?"

Man mit kurzen Haaren und blauem Pulli, dahinter Frau mit Locken, beide gucken nach oben

Jürgen und Dagmar Gerden vor ihrem ehemaligen Haus in Merzenich-Morschenich

Gerden hat RWE angeschrieben, ob er und seine Frau Dagmar deren einstiges Haus nicht zurückkaufen könnten. Es steht ein paar Hundert Meter von der Tagebaukante entfernt. Viele Jahrzehnte wohnten sie in Morschenich. Vor gut einem Jahr verkauften sie das Elternhaus von Dagmar Gerden und zogen nach Düren. Die Sehnsucht nach dem alten Zuhause blieb aber.

Künftiges Abbaugebiet noch offen

Der RWE-Konzern äußert sich zurückhaltend zu den Rückkauf-Plänen. Vieles hänge davon ab, wie das künftige Abbaugebiet des Tagebaus Hambach aussehen werde. Man werde eine Neuplanung vorlegen, die einen Erhalt des Hambacher Forstes möglich machen könne.

RWE schließt Hausrückkauf nicht gänzlich aus

Dem WDR sagte Unternehmenssprecher Guido Steffen: "Diese Neuplanung steht auch unter dem Vorbehalt von technischen Belangen: Die Böschungen des Tagebaus müssen weiterhin standsicher bleiben, die Rekultivierung muss ordentlich gewährleistet sein und letztlich muss eine neue Braunkohleplanung auch genehmigt werden."

Mann mit kurzen Haaren und blauem Hemd vor Wiese und Haus

RWE-Sprecher Guido Steffen

Das, so RWE-Sprecher Steffen, sei der Vorbehalt. Wenn der erfüllt sei, könne man anschließende Fragen beantworten. Ein klares Nein auf die Anfrage der ehemaligen Dorfbewohner klingt anders.

Stand: 04.09.2019, 20:24