Merkel verspricht schnelle Hilfe für Unwetteropfer - Besuch in Bad Münstereifel

Angela Merkel und Armin Laschet besuchen Bad Münstereifel WDR aktuell 20.07.2021 23:48 Min. Verfügbar bis 20.07.2022 WDR

Merkel verspricht schnelle Hilfe für Unwetteropfer - Besuch in Bad Münstereifel

Von Christian Wolf

Nach der Hochwasserkatastrophe hat die Bundeskanzlerin heute Bad Münstereifel besucht. Merkel zeigte sich betroffen angesichts der großen Schäden und stellte baldige Hilfen in Aussicht.

Angela Merkel und Armin Laschet begutachten die Schäden, nachdem schwere Überschwemmungen der Erft schwere Zerstörungen in der Ortschaft Bad Münstereifel, Kreis Euskirchen, Deutschland, 20. Juli 2021, verursacht haben

Merkel im Gespräch mit Unwetter-Opfern

Es sind die berührenden Momente eines Besuchs im Katastrophengebiet: Einer Anwohnerin aus Bad Münstereifel kommen die Tränen, während sie der Kanzlerin von den Schäden durch das verheerende Unwetter berichtet. An anderer Stelle sitzt eine Frau in Gummistiefeln in einer Schubkarre und macht eine kleine Pause von den Aufräumarbeiten, als Angela Merkel vorbeikommt.

Die Menschen in Bad Münstereifel haben in den vergangenen Tagen Schreckliches erlebt. Vom einen auf den anderen Moment wurden ganze Existenzen zerstört. Von all dem hat sich die Kanzlerin am Dienstag ein persönliches Bild vor Ort gemacht. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sprach Merkel mit Betroffenen, Helfern und Lokalpolitikern.

"Entsetzliche Zustände"

Die Kanzlerin zeigte sich betroffen. Die Schäden seien "erschreckend", es gebe "entsetzliche Zustände zum Teil". Viele Häuser seien nicht mehr bewohnbar. Bei ihrem Besuch habe sie "Menschen gesehen, die alles verloren haben". Die Stadt sei "so schwer getroffen, dass es einem wirklich die Sprache verschlägt".

Angela Merkel und Armin Laschet begutachten die Schäden, nachdem das Hochwasser der Erft am 20. Juli 2021 in Euskirchen, Deutschland, schwere Zerstörungen im Dorf Bad Münstereifel verursacht hat

Betroffene sollen schnell finanzielle Hilfe bekommen

Neben der Anteilnahme will die Bundeskanzlerin den Betroffenen aber auch zeigen, dass ihnen finanziell geholfen werden soll. Das Bundeskabinett werde am Mittwoch ein Programm für finanzielle Soforthilfe beschließen, kündigt sie an. Man werde alles daran setzen, "dass das Geld schnell zu den Menschen kommt". Zudem solle auch ein Aufbaufonds beschlossen werden, an dem sich der Bund und die Länder solidarisch beteiligen sollen.

Ministerpräsident Armin Laschet kündigte an, dass die Soforthilfe des Bundes vom Land NRW verdoppelt werde. Die Formulare zur Beantragung des Geldes sollten noch in dieser Woche fertig werden. Merkel ergänzte, die Auszahlung sei über die Städte und Kreise geplant. Sie hoffe, "dass das eine Sache von Tagen ist".

Anders sehe das beim Wiederaufbau aus. Dieser werde angesichts der Zerstörungen länger als ein paar Monate dauern. Es sei sehr klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden".

Altstadt ist stark beschädigt

Gleich mehrere Stadtteile von Bad Münstereifel hat es hart getroffen. Viele der Fachwerkhäuser in der historischen Altstadt wurden beschädigt, andere Häuser komplett zerstört und zum Teil auch weggespült. Teile der Kurstadt gleichen einem Trümmerfeld.

Auch um die Lehren, die aus der Unwetterkatastrophe mit mindestens 47 Todesopfern allein in NRW gezogen werden, ging es am Dienstag. Denn offensichtlich haben die Warnungen vor dem drohenden Unwetter viele Menschen nicht erreicht.

Mehr Sirenen und Warn-SMS

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf einer Pressekonferenz im Katastrophengebiet Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen

Merkel beim Pressestatement, während im Hintergrund die Aufräumarbeiten laufen

Merkel stellte nun Nachbesserungen bei den Warnmeldungen in Katastrophenfällen in Aussicht. So werde von den Telefonanbietern bisher nicht der Dienst angeboten, punktgenau in Funkzellen Warnungen per SMS zu senden. "Da scheinen sich Veränderungen anzubahnen", sagte Merkel mit Hinweis auf "zeitnahe" Gespräche.

Doch auch die klassischen Sirenen könnten wieder eine größere Rolle spielen. "Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher als man gedacht hat", sagte die Kanzlerin. Es werde jetzt genau analysiert, was beim Katastrophenschutz und den Frühwarnsystemen geklappt habe und was nicht. In der Debatte dürfe aber nicht vergessen werden: "Dies ist ein Hochwasser, wie es es lange, lange nicht gegeben hat."

Merkel will wiederkommen

Zum Abschluss des Besuchs gab es noch zwei konkrete Versprechen an die Menschen in Bad Münstereifel. So sagte Laschet zu, die Stadt solle wieder erstehen, "dass es schöner wird als es vorher war". Und Merkel stellte einen erneuten Besuch in der Stadt in Aussicht, um sich den Wiederaufbau anzuschauen. "Dann werde ich nicht mehr im Amt sein. Aber ich komme trotzdem."

Stand: 20.07.2021, 15:44