Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung einer 15-Jährigen: Viereinhalb Jahre Haft

Der Angeklagte vor Gericht.

Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung einer 15-Jährigen: Viereinhalb Jahre Haft

Das Bonner Landgericht hat einen 28-jährigen wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

In das Urteil wurde eine alte Strafe wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung miteinbezogen. Der Angeklagte hatte eine 15-Jährige zur Prostitution gebracht und sie jahrelang in verschiedenen Clubs - unter anderem in Lohmar und in der Schweiz - für sich arbeiten lassen.

Prostitution aus freien Stücken nachgegangen

Da die mittlerweile 21-Jährige als Zeugin beteuert hat, aus freien Stücken der Prostitution nachgegangen zu sein, konnte das Gericht ihn nicht wegen Zuhälterei und Zwangsprostitution - wie ursprünglich angeklagt - verurteilen. Die Zeugin gab zudem an, ihren Verdienst- monatlich rund 10.000 Euro - freiwillig an den Angeklagten abgegeben zu haben.

Angeklagter soll im Hintergrund Fäden gezogen haben

"Allein der parasitäre Lebensstil" hieß es in der Begründung, sei noch nicht strafbar; da brauche es mehr Beweise. Dennoch ist das Gericht davon überzeugt, dass der Angeklagte im Hintergrund die Fäden gezogen hat, wie bei mindestens vier weiteren jungen Mädchen auch.

Alle seien durch ihn zur Prostitution gekommen, mussten sich seinen Namen in den Hals tätowieren, ihre Haare blond färben und Schönheitsoperationen an sich vornehmen lassen. 

Verfahren gegen Mitangeklagte wurde eingestellt

Die "Verlobte" des Angeklagten soll die damals 15-Jährige angeleitet haben. Das Verfahren gegen sie, wurde mangels ausreichender Beweise und gegen eine Zahlung von 1.500 Euro an ein Frauenhaus eingestellt. Die 31-Jährige hatte der Jüngeren für die Club-Arbeit ihre Papiere zur Verfügung gestellt, um zu verschleiern, dass das Mädchen noch minderjährig ist.

Stand: 08.06.2020, 16:51

Weitere Themen