Forscher messen deutlich höhere Besucherzahlen in Wäldern

Eine Familie mit Hund fährt auf Fahrrädern durch einen Wald.

Forscher messen deutlich höhere Besucherzahlen in Wäldern

Von Jörg Sauerwein

  • European Forest Institute hat Besucher gezählt
  • 140 Prozent mehr Menschen im Wald
  • Vor allem in urbanen Regionen sind Wälder gefragt

Seit vielen Wochen bestimmt die Corona-Pandemie den Alltag. Und seither zieht es deutlich mehr Menschen in den Wald. Das hat das European Forest Institute (EFI) in Bonn wissenschaftlich untersucht. Im Bonner Kottenforst, einem großen Waldgebiet, hat sich die Zahl der Besucher mehr, als verdoppelt.

Messung im Wald per Infrarot

Eigentlich hatten die Forscher die Infrarotmessstation vor gut einem Jahr für eine Studie über die Bedürfnisse von Waldbesuchern aufgestellt. Ausgerechnet zum Ende der Studie aber kam Corona und seither werden die Waldbesucher weiter gezählt. Und im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie hat sich die Zahl der Menschen im Wald deutlich erhöht: Durchschnittlich kommen inzwischen 140 Prozent mehr Besucher an der Messstation vorbei.

Neue Besuchszeiten

Auch die Zeiten, in denen die Wege im Bonner Kottenforst hauptsächlich genutzt werden, haben sich verändert, sagt Jakob Derks, der die EFI-Studie geleitet hat. Vor Corona seien viele Menschen auch mit dem Fahrrad morgens und abends durch den Wald zur Arbeit gependelt: "Jetzt gibt’s fast nur noch Besucher am Nachmittag – sehr konzentriert auf drei vier Stunden. Vorher war es mehr verteilt über den Tag", so Derks. Außerdem ist das Waldpublikum deutlich jünger geworden. Viele der neuen Besucher sind zum Beispiel Familien mit Kindern.

Viele Wälder erleben starken Andrang

Auch in anderen Wäldern der Köln-Bonner Region sind die Besuchermengen deutlich gestiegen, berichtet das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Wissenschaftler Derks beobachtet selbst in seiner belgischen Heimat einen deutlichen gestiegenen Drang der Menschen in den Wald. "Besonders in urbanen Regionen steigt die Zahl deutlich", sagt Derks. Das gelte sicherlich auch in vielen Teilen NRWs. In Gebieten wie zum Beispiel der Eifel allerdings dürfte der Andrang dagegen nicht ganz so stark gewachsen sein.

Förster: "Nehmen Sie Rücksicht"

Mehr Menschen im Wald bedeutet auch mehr Konfliktpotential. Mountainbiker gegen Fußgänger, Familien mit Kindern gegen Hundebesitzer oder auch immer mehr Müll – das sorgt für manchen Ärger. Regionalförster Uwe Schölmerich freut sich über den wachsenden Zuspruch, den der Wald erlebt und hofft, dass die Besucher mehr gegenseitiges Verständnis und Umsicht zeigen. Mit etwas mehr Rücksicht auf alle Beteiligten könnte jeder dafür sorgen, dass alle noch mehr Spaß im Wald haben.

Teils doppelt so viele Menschen im Wald

WDR 5 Westblick - aktuell 14.05.2020 06:02 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 WDR 5 Von Jörg Sauerwein


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Stand: 15.05.2020, 11:07