Mehr als 500 E-Scooter im Rhein: Leere Versprechen der Verleihfirmen

Mehr als 500 E-Scooter im Rhein: Leere Versprechen der Verleihfirmen

Von Oliver Köhler

Der WDR hatte in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass in Köln hunderte E-Scooter im Rhein liegen. Die Verleiher wollen nun plötzlich ihre Tretroller aus dem Rhein bergen und sie haben versprochen, dass die Scooter nicht mehr in der Nähe des Rheins abgestellt werden können.

Die Verleiher wollen so verhindern, dass weitere Roller mit ihren giftigen Akkus im Wasser landen. Doch das ist offenbar ein leeres Versprechen. Denn trotz der Ankündigung stehen weiter Elektro-Tretroller direkt am Rhein und sogar auf Rhein-Brücken. Auch andere Aussagen der Scooter-Unternehmen sorgen für scharfe Kritik.

Die Berichte des WDR haben bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Verleiher der E-Scooter stehen unter Druck. Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller kündigte am Donnerstag an, die Verleiher in die Pflicht zu nehmen. Die Stadt fische regelmäßig Elektroroller aus dem Rhein und Düsseldorfer Gewässern. Es gelte das Verursacherprinzip, und man müsse Wege finden, dass die Verleiher die Bergung zahlten oder die Roller selbst aus dem Wasser holten.

Trotz angeblichem Parkverbot weiter E-Scooter am Rheinufer

E-Scooter auf der Hohenzollernbrücke

E-Scooter auf der Hohenzollernbrücke

Am Rheinboulevard im Stadtteil Deutz steht ein Scooter nur etwa 5 Meter vom Rhein entfernt, ein Stück weiter Richtung Norden parken zwei Tretroller von Lime ebenfalls nur wenige Meter vom Fluss entfernt. Auf der Hohenzollernbrücke ist ein Scooter von Voi abgestellt, bis zum Brückengeländer sind es nur drei Schritte – kaum ein Ort am Rheinufer, an dem kein Tretroller in unmittelbarer Nähe des Wassers steht. Der Verband der Verleiher hatte am Montag erklärt, die Parkverbotszonen am Rhein seien erweitert worden.

Voi hatte dem WDR noch am Dienstag schriftlich mitgeteilt: "Am Ufergelände und auf Rheinbrücken kann die Fahrt auf unseren Scootern nicht beendet werden." Scooter-Fahrer, die wir am Rhein treffen, berichten dagegen, dass es kein Problem sei mit Tret-Rollern am Rhein zu parken. Und selbst auf der Brücke ist Parken mit dem Scooter offensichtlich möglich.

Ordnungsamt soll E-Scooter abschleppen lassen

Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin der Kölner Innenstadt, Antje Kosubek von den Grünen, ärgert es, dass die Verleiher sich nicht an ihre Zusagen halten: "Wir sehen es ja überall, die stehen weiter noch hier herum. Das muss das Ordnungsamt letztlich eingreifen und die Roller entfernen und die müssen wie falsch abgestellte Autos letztlich auch, kostenpflichtig abgeholt werden."

So lange Scooter so nahe am Rhein geparkt werden können, bestehe die Gefahr, dass sie in den Fluss geworfen werden und giftige Chemikalien aus den Akkus ins Wasser geraten, sagt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Kosubek.

Akkus angeblich wasserdicht

Die Verleiher der Scooter behaupten dagegen, es bestünden keine Gefahren für die Umwelt. In einer schriftlichen Stellungnahme der Plattform Shared Mobility, die als Verband der Verleiher fungiert, heißt es: "Die Akkus haben eine IP67 Zertifizierung und sind auf Wasserdichtigkeit getestet."

BUND: Scooter-Firmen führen Öffentlichkeit hinter das Licht

Umweltschützer wie der Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt- und Naturschutz NRW, Dirk Jansen, widersprechen dieser Darstellung. Denn die IP67 besage nur, dass die Akkus für bis zu 30 Minuten 1 Meter tief ins Wasser getaucht werden können, ohne das Wasser eindringt.

"Der Rhein ist aber an vielen Stellen mehrere Meter tief", sagt Dirk Jansen vom BUND. Außerdem werden die Scooter von der Strömung unter Wasser über Kies und Steine geschoben. Und sie liegen oft Wochen, wenn nicht gar Monate im Rhein." Jansen bezeichnet die Aussagen der Scooter-Verleiher zur Wasserdichtigkeit als "bewusste Täuschung der Öffentlichkeit."

E-Scooter im Rhein werden zunehmend zum Problem

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 17.06.2021 02:28 Min. Verfügbar bis 17.06.2022 WDR 5 Von Annika Krooß


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Der WDR hat nachgefragt, ob es weitere Zertifizierungen der Akkus für tieferes Eintauchen oder längere Verweildauern im Wasser gibt. Weder der Verband der Scooter-Verleiher noch die meisten Unternehmen haben diese Frage beantwortet.

Nur der Verleiher Bird erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme: "Diese Batterien befinden sich in einem wasserdichten IP68-Gehäuse, welches gut isoliert ist und von dem daher keine Gefahr für die Umwelt ausgehen sollte." IP68 bedeutet "dauerhaft wasserdicht". Allerdings fehlt die Angabe, bis zu welcher Tiefe das Gehäuse wasserdicht ist. Bird hat auch nicht erklärt, ob die Akkus es auch aushalten, wenn sie von der Strömung über den Boden des Rheins geschliffen werden.

Der Verleiher Tier räumt immerhin ein, dass theoretisch Korrosion auftreten und das Metall "anfressen" könne, wenn Akkus sehr lange im Wasser liegen.

Verleiher wollen Scooter künftig bis zu sechs Monate im Wasser lassen

Die Verleiher wollen in der kommenden Woche in Köln mit der Bergung der Fahrzeuge aus dem Rhein beginnen. Wenn sie alle Scooter aus dem Fluss geholt haben, wollen sie alle sechs Monate Reinigungsaktionen im Rhein starten. Das hieße aber, dass E-Scooter, die kurz nach einer Reinigung im Rhein landen, bis zu sechs Monate im Wasser blieben.

Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Antje Kosubek und der BUND Geschäftleiter Dirk Jansen halten das für einen Skandal. Sie fordern: Jeder Scooter, der im Rhein landet, müsse sofort geborgen werden.

Wasserschutzpolizei leitet Ermittlungen ein

"Es ist ja inzwischen klar, dass diese Scooter nicht geeignet sind, dauerhaft unter Wasser zu liegen, weil die Akkus einfach lecken werden, weil die dafür nicht ausgelegt sind. Das ist meines Erachtens nicht nur eine illegale Abfallentsorgung, sondern auch eine Straftat in Bezug auf Gewässerverunreinigung. Und das ist kein Kavaliersdelikt."

Auf unbefugte Gewässerverunreinigung steht immerhin eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Aufgrund der Berichte des WDR über E-Scooter im Rhein hat die Wasserschutzpolizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Ermittler müssen unter anderem klären, ob auch die Verleiher Schuld trifft, weil sie die Scooter monatelang im Rhein liegen gelassen haben, obwohl sie wissen mussten, dass aus den Akkus Stoffe wie giftiges Kobalt, Nickel, Kupfer, und verschiedene Säuren austreten können.

Stand: 24.06.2021, 07:15

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