„smart kiddies“ untersucht Medienverhalten von Kindern

Mädchen und Junge schauen auf ein Smartphone

„smart kiddies“ untersucht Medienverhalten von Kindern

Von Ditmar Doerner

Wie lerne ich als Kind den richtigen Umgang mit dem Internet? In sechs Bonner Grundschulen startet jetzt das Projekt „smart kiddies“, das landesweit Schule machen könnte. Dabei wollen Suchtexperten der Diakonie und der Caritas Bonn die Probleme im Medienverhalten der Kinder verstehen und bekämpfen.

Mit Abstand im Kreis sitzen die rund 20 Jungen und Mädchen im Klassenraum der Bonner Carl-Schurz-Grundschule und erzählen erst einmal von ihren eigenen Online-Erfahrungen. Rafael (Name geändert) zum Beispiel ist zehn Jahre alt, und er kennt schon 30 verschiedene Online-Spiele, sagt er. Welche das sind, möchte er lieber nicht verraten.

Er sitzt jeden Tag mindestens eine Stunde vor dem Computer, klickt sich durch verschiedene Seiten oder ist auf YouTube unterwegs: Kurze Filme schauen oder Songs seiner Lieblingsbands hören.

Guter und schlechter Medienkonsum

Ziel der Stunde sei, so Suchtexperte Andreas Pauly, „dass die Kinder erfahren, was ist gut an meinem Medienkonsum und was nicht.“

Nach der ersten Vorstellungsrunde schauen sich die Viertklässler einen zweiminütigen Zeichentrickfilm an. Dort begegnen ihnen die Comicfiguren, die dem NRW-Projekt seinen Namen gegeben haben: Die „smart kiddies“. Konkret sind das ein Junge, ein Mädchen und ihr Begleiter, ein Hund. Der ist sehr müde, weil er zu lange vor dem Computer gesessen hat. Die beiden „smart kiddies“ geben ihm Tipps, wie er seine Müdigkeit überwinden kann: Offline gehen, reale Freunde treffen, lesen, schreiben, spielen.

Vier bis sechs Stunden vor dem Bildschirm

Was den Bonner Grundschülern spielerisch vermittelt wird - der sorgfältige Umgang mit Onlinemedien - hat einen ernsten Hintergrund: Während des Lockdowns saßen viele Kinder häufig vier bis sechs Stunden vor dem Computer. Und das, obwohl nach Expertenmeinung maximal eine Stunde pro Tag erlaubt sein sollte.

Bereits in der Jahrgangsstufe 4 besitzt die Hälfte der Kinder ein eigenes Smartphone.

Einschlafen mit dem Handy

Nach der Projektstunde zeigt sich der Sozialpädagoge der Bonner Grundschule Oliver Möller mehr erschüttert als erstaunt. Heraus gekommen ist nämlich unter anderem, dass seine Schülerinnen und Schüler zum Teil mit dem Handy im Bett einschlafen, oder dass sie von der Schule bis zum Abendessen ununterbrochen vor dem Computer sitzen. „Wir hatten uns da schon drauf eingestellt, dass der Medienkonsum wahrscheinlich hoch ist, aber teilweise haben wir es wirklich nicht geglaubt.“

Pilotphase in Bonn und Wuppertal

Für vier Unterrichtsstunden kommen die Suchtexperten in die Schule. In vier weiteren Unterrichtsstunden vertieft der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin das Thema. Nach der zurzeit laufenden Pilotphase in Bonn und Wuppertal soll das Projekt „smart kiddies“ in weiteren Städten und Kommunen in NRW starten.

Ständig online – Wann wird es gefährlich? Planet Wissen 06.05.2020 58:50 Min. UT Verfügbar bis 07.06.2024 WDR

Stand: 22.06.2021, 17:43