Masken-Vlies: Troisdorfer Maschinenbauer liefert nach Bayern

Ein Mitarbeiter des Anlagenbauers Reifenhäuser in Troisdorf nimmt eine Sichtkontrolle bei Vlies vor.

Masken-Vlies: Troisdorfer Maschinenbauer liefert nach Bayern

  • Masken-Vlies soll auch in Bayern produziert werden
  • Maschinen für die Produktion kommen aus Troisdorf
  • Hoffnung auf zukünftige Herstellung von Mund-und Nasenschutz in Deutschland

In Troisdorf bei Bonn sitzt ein großer Maschinenbauer, der eigentlich die Maschinen herstellt, die Masken-Vlies produzieren. Im März hat man dort alles umgestellt und das Vlies selbst produziert. Bernd Reifenhäuser, der Chef der Reifenhäuser-Gruppe, kann sich im Moment vor Aufträgen kaum retten: "Wir haben im Jahr für diese speziellen Anlagen zwei bis drei Aufträge gehabt. Und jetzt sind wir bei weit über 50 Aufträgen, die reingekommen sind. Weil einfach der Bedarf an Schutzmasken und Schutzbekleidung so enorm gestiegen ist.“

Die Anlagen, auf denen das so genannte "Meltblown"-Vlies hergestellt wird, sind gerade heiß begehrt. Der Stoff aus hauchdünnen Fäden kann auch Viren aus der Luft filtern und ist die Grundlage für einen wirksamen Mund-Nasen-Schutz.

Schutzmasken-Vlies aus Troisdorf

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 03.07.2020 04:42 Min. Verfügbar bis 02.07.2021 WDR 5 Von Jörg Sauerwein

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Auch in Bayern beginnt die Produktion

Eine dieser Maschinen wird in den kommenden Wochen in Bayern bei der Firma Sandler aufgebaut, einem der weltweit größten Vliesstoffhersteller. Bisher kamen die Schutzmasken fast ausschließlich aus China. Auch wenn die Masken durchaus in Deutschland hätten produziert werden können, sagt Sandler-Vertriebsvorstand Ulrich Hornfeck.

Aber erst durch die Pandemie konnte sich auch in Europa ein Markt entwickeln. Die Corona-Krise hat eines deutlich gemacht: Es reicht nicht aus, sich auf Lieferungen aus Asien zu verlassen. Deshalb hatte die Politik unter anderem Förderprogramme beschlossen, mit denen modernste Meltblown-Anlagen auch in Deutschland wieder interessant werden sollten.

Branche boomt in Deutschland

Mit 30 bis 40 Prozent stützt die Politik jetzt die deutschen Investitionen in die Anlagen. Diese Förderprogramme zeigen Wirkung.

Aber was ist, wenn die Corona-Krise irgendwann vorbei ist? Bernd Reifenhäuser ist optimistisch: "Dieser Bedarf wird auch bleiben. Die Nachfrage nach Schutzmasken wird nicht komplett weggehen." Er könnte sich vorstellen, dass die Masken in Zukunft auch bei Grippewellen benutzt werden.

Markt für die Zukunft?

Auch beim bayerischen Vlies-Hersteller Sandler ist man optimistisch, mit dem Vlies made in Germany künftig am Markt bestehen zu können. "Man kann sich überlegen, dass allein schon aufgrund der Versorgungssicherheit und der Thematik, die Gesundheitswesen bei uns zu schützen, ein gewisser Anteil zum Beispiel aus deutscher, aus europäischer Herstellung geliefert werden muss", meint Hornfeck.

Das wäre dann wiederum ein Wunsch der Wirtschaft an die Politik. Um sicherzustellen, dass die Schutzausrüstung am Ende nicht doch wieder ausschließlich aus Asien kommt – oder eben zeitweise gar nicht.

Stand: 03.07.2020, 10:54