Misshandlungen in LVR-Kinderpsychiatrie bis in die 70er Jahre

Verantwortliche präsentieren die Studie "Gestörte Kinder"

Misshandlungen in LVR-Kinderpsychiatrie bis in die 70er Jahre

Gestörte Kindheit heißt eine Studie, die der Landschaftsverband Rheinland jetzt veröffentlicht hat. Darin geht es um die systematische Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in den psychiatrischen Heimen des LVR bis Mitte der 70er Jahre.

Zwei Jahre haben die Forschungen gedauert. Das Ergebnis der Studie: zwischen 1949 und 1975 gehörte Gewalt für die Kinder und Jugendlichen in den psychiatrischen Einrichtungen des Landschaftsverband Rheinland zum Alltag.

Psychische und körperliche Gewalt

Rund 200.000 Minderjährige waren in den fast vier Jahrzehnten dort Opfer von Zwangsmaßnahmen. So bekamen die Kinder etwa Psychopharmaka überdosiert verabreicht, nur um sie ruhig zu stellen. Neben Zwangsmaßnahmen der Klinikmitarbeiter litten die Kinder auch unter körperlicher Gewalt durch andere Kinder. Brutale Prügeleien wurden vom Pflegepersonal nicht unterbunden, sondern es galt das Recht des Stärkeren.

Psychiatrie als Plattform für Experimente

Das Buch "Gestörte Kinder"

Das Buch "Gestörte Kindheiten" fasst die Misshandlungen in LVR-Kliniken zusammen

Die Psychiatrie in den 50er Jahren sei noch wesentlich durch die NS-Ideologie geprägt gewesen, stellten die Autoren der Studie fest. Störungen und Auffälligkeiten galten lange als angeboren. Erst im vergangenen Jahr hatten Bund, Land und Kirchen eine Stiftung zur Anerkennung und Entschädigung von Gewaltopfern gegründet.

"Für den LVR ist die Aufarbeitung auch dunkler Kapitel der Verbandsgeschichte seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen", so Ulrike Lubek, LVR-Direktorin. Der Verband ist sich seiner Verantwortung bewusst und der Ansicht, dass Betroffene ein Recht auf eine schonungslose Betrachtung des Unrechts und der Gewalt haben.

Stand: 13.04.2018, 14:17