Politik will Luftfilteranlagen für alle Kölner Klassenzimmer

Luftreiniger im Klassenzimmer

Politik will Luftfilteranlagen für alle Kölner Klassenzimmer

Von Oliver Köhler

Nach der Kölner SPD hat sich jetzt auch die CDU-Fraktion im Kölner Stadtrat für die Anschaffung mobiler Luftfilteranlagen entschieden. Bei den Grünen und bei Volt stehen die Zeichen nach WDR-Informationen auch auf ZUstimmung zu Luftfiltern in allen Klassenzimmern.

Die Investition in die Geräte ist nach Ansicht des schulpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Helge Schlieben,  notwendig, „weil wir im kommenden Schuljahr Präsenzunterricht in den Schulen wollen. Ein weiteres Jahr mit Distanz-Unterricht, langen Quarantänezeiten und hohen Infektionszahlen schadet der Bildung unserer Schüler“, sagt Schlieben.

Investitionen von bis zu 15 Millionen Euro

Das Problem: Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bisher keine zugelassenen Impfstoffe. „Deshalb müssen wir alle anderen Möglichkeiten nutzen, Infektionen an den Schulen zu verhindern“, sagt Oliver Seeck, Schulpolitiker der SPD-Fraktion. Er fordert, dass Köln nun nicht noch mehr Zeit verlieren dürfe. „Es muss jetzt gehandelt werden, damit wir zu Beginn des neuen Schuljahrs möglich schon die ersten Klassen ausstatten können.

SPD-Politiker Seek rechnet vor, dass je nach Preis der Geräte Investitionen von 50 bis 120 Euro pro Schüler notwendig seien. „Für das Geld bekommen wir in den kommenden Jahren mehr Sicherheit in den Klassenzimmern“. Insgesamt soll die Ausstattung der Kölner Schulen bis zu 15 Millionen Euro kosten.

Kölner Stadtverwaltung ist gegen Luftfilteranlagen in allen Klassenräumen

Die Kölner Stadtverwaltung hält Luftfilteranlagen bis jetzt nur in solchen Räumen für sinnvoll, die sich nicht durch das Öffnen von Fenstern lüften lassen. Für alle anderen Klassenräume sei Stoß-Lüften das beste Mittel, um eine Konzentration von Viren in der Luft zu verhindern. Der Nutzen von Luftfilteranlagen sei bisher nicht nachgewiesen, behauptet die Stadt.

Dem widersprechen Wissenschaftler. Der Physiker Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München hat die Wirkung von Luftfilteranlagen in den unterschiedlichsten Räumen untersucht. Er hat festgestellt, dass die Anlagen Viren fast vollständig aus der Luft entfernen können.

Bei Luftfilteranlagen drohen Lieferprobleme wegen hoher Nachfrage

Das Bündnis von Grünen, CDU und Volt im Kölner Stadtrat hat sich trotz der Erkenntnisse von Kähler und anderen Wissenschaftlern viel Zeit gelassen mit der Diskussion über Luftfilter. Jetzt wird es schwierig werden, Geräte zu bekommen. Denn in Bayern wird der Kauf von Luftfiltern für Schulen künftig vom Freistaat gefördert. Da wird die Nachfrage in Deutschland voraussichtlich sprunghaft ansteigen.

„Wer jetzt noch Luftfilter haben will, der muss sich beeilen“, sagt Thomas Jung. Er gehört zu einer der vielen Kölner Elterninitiativen, die seit Ende vergangenen Jahres bereits die Installation von Luftfiltern fordern. Thomas Jung will erreichen, dass auch die Kitas mit Luftfiltern ausgestattet werden. „In den Kitas ist es nicht möglich Masken zu tragen. Kleine Kinder können auch keine Abstände halten und die Erzieherinnen auch nicht. Deswegen sind solche Geräte in den Kitas ebenfalls dringend notwendig“, sagt Jung. „Hoffentlich denken die Schulpolitiker auch an die Kita-Kinder, wenn sie jetzt einen Beschluss fassen“.

Eltern wollen Schulen Luftfilteranlagen schenken

In mehreren Stadtteilen hatten Eltern bereits im vergangenen Winter Geld gesammelt, um Schulen Luftfilteranlagen zu schenken. Doch die Stadt hatte das zunächst abgelehnt und später das Aufstellen von privat beschafften Geräten daran geknüpft, dass die Eltern die volle Verantwortung für Wartung, Betrieb und für mögliche Schäden oder Unfälle tragen, die durch die Lüfter entstehen.

„Jetzt sollte die Stadt auch dazu bewegt werden, privat finanzierte Luftfilteranlagen anzunehmen“, sagt Thomas Jung. „ Dann kämen wir wahrscheinlich deutlich schneller an das Ziel, viele Kinder vor neuen Corona-Ausbrüchen zu schützen."

Stand: 02.07.2021, 06:42