LKW-Fahrer fehlen auch am Niederrhein

Lkws

LKW-Fahrer fehlen auch am Niederrhein

In Großbritannien bleiben Supermarktregale leer und Tankstellen bekommen kein Benzin mehr. In der Region drohen solche Szenen noch nicht, aber auch hier werden LKW-Fahrer immer knapper. "Das ist der Beginn einer großen Welle", sagt ein Experte.

Bauern werden ihre Milch nicht los, bei Ikea gibt es keine Matratzen mehr und Kläranlagen mangelt es an wichtigen Chemikalien – das sind nur einige Auswirkungen davon, wenn LKW stehen bleiben, weil keine Fahrer mehr da sind. In Großbritannien zeigt sich, was eine solche Krise anrichten kann. Die Regierung sucht nach dem Brexit händeringend LKW-Fahrer. Premierminister Boris Johnson erwartet, dass die Versorgungsengpässe noch bis Weihnachten anhalten könnten. Schätzungen zufolge fehlen in Großbritannien derzeit etwa 100.000 Fahrer.

15.000 Fahrer fehlen in NRW

Einen Mangel an LKW-Fahrern gibt es auch in Deutschland. Hier fehlen laut Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) etwa 45.000 bis 60.000 Fahrer. 15.000 davon in NRW und 3.000 am linken Niederrhein, sagte Marcus Hover vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW dem WDR.

Das bekommt auch Mona Smeets zu spüren. Sie ist Prokuristin beim Logistikunternehmen Smeets in Krefeld. Die Firma Smeets bekommt zwar genug Aufträge. Dennoch musste sie die Zahl ihrer Lastwagen von 20 auf 15 senken. Weil zu wenige Fahrer da sind.

"Es kommen keine jungen Leute mehr nach"

"Aktuell wird es immer schlimmer," sagt Smeets über die Situation auf dem Markt für LKW-Fahrer. Denn die Belegschaft ist alt. In den kommenden zehn Jahren geht laut der Prüfgesellschaft Dekra etwa jeder dritte Fahrer in Rente. "Und es kommen keine jungen Leute mehr nach," sagt Smeets.

"Das ist der Beginn einer großen Welle," sagt Hover über den sich zuspitzenden Fahrermangel in Deutschland. Dennoch seien kurzfristig keine Verhältnisse wie in Großbritannien zu befürchten.

Langfristig drohen leere Regale

Wegen der alten Belegschaft und dem Nachwuchs-Problem sei eine Situation wie in Großbritannien aber in einigen Jahren nicht auszuschließen, sagt Mona Smeets. "Wenn es so weitergeht, sieht das in den nächsten Jahren sicherlich so aus, dass die Regale und die Tankstellen leer bleiben."

Markt saugt Fahrer aus Großbritannien auf

Auf dem Foto ist ein Schild mit der Aufschrift "Sorry, we're out of fuel".

In Großbritannien stocken die Benzinlieferungen, weil es zu wenig LKW-Fahrer gibt.

Sind die Fahrer, die Großbritannien verlassen haben, die Lösung? Zumindest keine langfristige, sagt Christoph Rochow, Chef der Krefelder Spedition Stromps: "Der Markt saugt diese Arbeitskräfte schnell auf, die werden aber nicht den generellen Bedarf hier in Festlandeuropa decken."

Mehr Gehalt kann helfen

Das Kern-Problem ist, dass zu wenige junge Menschen Interesse an dem Job als LKW-Fahrer haben. Um das zu ändern, seien bessere Löhne wichtig, sagt Hover vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW: "Die Leute wollen für gute Arbeit gut verdienen."

Endverbraucher würde kaum mehr zahlen

Momentan verdiene ein LKW-Fahrer in NRW durchschnittlich 2650 Euro monatlich. "Das ist gut, aber für die harte Arbeit zu wenig," sagt Hover. Auch Staus auf Autobahnen und ein Mangel an LKW-Parkplätzen seien Faktoren, die den Job weniger attraktiv machen würden: "Abends suchen die Fahrer vergeblich nach Parkplätzen und stehen nachher in einem unbeleuchteten Industriegebiet. Das ist Frust-fördernd," sagt Hover.

Konsumenten würden es kaum spüren, wenn LKW-Fahrer mehr verdienen würden, sagt Hover: "Der eine Joghurtbecher auf 23 Tonnen Fracht – der macht’s nun wirklich nicht!"

Stand: 07.10.2021, 11:25