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Literaturfestival mit Publikum: Lit.Cologne startet in Köln

Stand: 15.03.2022, 08:20 Uhr

Dienstagabend startet die 22. Lit.Cologne. Nach einem kompletten Ausfall und einem rein digitalen Festival findet das Lesefest in diesem Jahr wieder vor Publikum statt.

Von Susanne Fritz

Geplant sind 179 Veranstaltungen vor Publikum. Auftakt ist die Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises und eine Solidaritätsveranstaltung für die Ukraine.

Die Lit.Cologne ist endlich wieder da. Doch die Corona-Pandemie spielt immer noch eine Rolle. Manche Säle dürfen nicht voll ausgelastet werden. Schriftsteller aus Übersee sind kaum dabei, einige sind erkrankt oder wollten nicht kommen. Die allermeisten Veranstaltungen finden nach Angaben der Organisatoren aber statt.

Viele Veranstaltungen drehen sich um den Krieg

Deniz Yücel, deutsch-türkischer Journalist, Publizist und Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, 16.07.2020.

Auch Deniz Yücel, deutsch-türkischer Journalist, kommt zur Lit.Cologne

Das alles überschattende Thema ist der Krieg in der Ukraine. So startet das Literaturfestival unter anderem mit einer Solidaritätsveranstaltung, an der russische Künstler, Navid Kermani und Deniz Yücel teilnehmen. Wie ein roter Faden wird sich der Krieg in der Ukraine thematisch durch das Festival ziehen, sagt Geschäftsführer Rainer Osnowski: "Wir haben Joscka Fischer im Programm, der jetzt natürlich nochmal besonders gefordert ist, daraufhin zu agieren, wir haben den Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, und wir haben Carolin Emcke, explizit politische Autorin."

Ein anderes wichtiges gesellschaftspolitisches Thema des Literaturfestivals ist Rassismus. Die Schriftstellerin Tupoka Ogette stellt ihr neues Buch "Und jetzt du. Rassismuskritisch leben" vor. Auch der Comedian Bülent Ceylan berichtet in seiner Biografie mit dem Titel "Angekommen. Aber wo war ich eigentlich?" über seine Erfahrungen als Sohn eines türkischen Vaters.

Erste "lit. Cologne" beginnt (am 21.03.2001)

WDR ZeitZeichen 21.03.2021 14:34 Min. Verfügbar bis 22.03.2099 WDR 5


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Auch Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah dabei

Porträt Frank Schätzing

Der Kölner Autor Frank Schätzing thematisiert den Klimawandel

Bei Frank Schätzing geht es um den Klimawandel und bei Richard David Precht um die Bedeutung der Arbeit in der Zukunft. Er stellt sein neues Buch "Freiheit für alle" vor: "Jetzt verändert sich die Arbeit wieder, weil wir von einer klassischen Erwerbsarbeitsgesellschaft zunehmend in eine Sinngesellschaft übergehen, wie ich das nenne, in eine Gesellschaft, deren wichtigste Frage nicht mehr ist, was arbeite ich, sondern bin ich glücklich, habe ich ein erfülltes Leben, ist das sinnvoll, was ich tue und das lässt natürlich die Arbeitswelt nicht unberührt."

Ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals ist, dass der neue Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah nach Köln kommt. Der tansanische Schriftsteller flüchtete in den 1960er Jahren nach Großbritannien, wo er bis heute lebt. In seinen Büchern sind Kolonialismus und das Leben in der Fremde zentrale Themen, die er eindringlich schildert und die auf eigene Erfahrungen zurückgehen: "Ein Unbehagen darüber, in einer Kultur zu leben, die fremd oder sogar feindlich ist. Nicht unbedingt dir als Person gegenüber, sondern gegenüber deiner Kultur, deiner Religion oder Geschichte."

Noch gibt es Karten für viele Veranstaltungen

Regisseurin Doris Dörrie

Regisseurin Doris Dörrie spielt in ihren Filmen auch oft selbst die Hauptrolle

Daneben sind wieder zahlreiche bekannte Bestseller-Autoren und -Autorinnen dabei. Darunter Alexander Kluge, der gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, Hanya Yanagihara, die aus New York anreist, Orhan Pamuk, Martin Suter, Fatmar Aydemir, Jussi Adler-Olsen, Donna Leon, aber auch Bernhard Schlink und die Filmemacherin Doris Dörrie, die in ihrem neuen Buch "Die Heldin reist" Frauen auf Reisen durch die Welt schickt. Dabei spielt sie selber oftmals die Hauptrolle, so wie in ihrer Reisegeschichte aus Marokko.

Ungewöhnlich für die lit.Cologne ist, dass es in diesem Jahr für viele Veranstaltungen noch Karten gibt. Offenbar sind die Fans des Literaturfestivals auch im dritten Jahr der Pandemie noch vorsichtig. Vielleicht sind aber auch viele wegen der aktuellen politischen Lage nicht in der Stimmung. Verzichten müssen die Fans auf den Literaturmarathon im WDR-Funkhaus. Der fällt auch in diesem Jahr aus.