Hohe Spendensumme für inhaftierte "Sea-Watch"-Kapitänin

Kapitänin Carola Rackete wird von der Polizei abgeholt

Hohe Spendensumme für inhaftierte "Sea-Watch"-Kapitänin

  • Stamp: "Nichts Kriminelles"
  • Spendenaufruf von Jan Böhmermann
  • Scharfe Kritik an italienischer Regierung

Am Montag (01.07.2019) hat sich NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) zum Fall der Sea-Watch-Seenotretterin und in Italien inhaftierten Kapitänin Carola Rackete geäußert. Stamp erklärte gegenüber dem WDR, dass "die Seenotrettung nichts Kriminelles sein kann".

Das Retten der Menschen sei eine humanitäre Pflicht. "Aber wir müssen natürlich sehen, dass wir hier auch ein ethisches Dilemma haben, weil diese Form der Seenotrettung von Schleppern ausgenutzt wird."

Spendenaufruf von Moderatoren

Die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf hatten dazu aufgerufen, für Rackete zu spenden. Nach dem Aufruf war bereits am Sonntagnachmittag ein Betrag in Höhe von mehr als 500.000 Euro eingegangen. Am Montagmorgen lag die Summe schon bei knapp 700.000 Euro.

Für den Fall, dass die italienischen Behörden die Kapitänin strafrechtlich verfolgen, soll das Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter gespendet werden.

Kirchentagspräsident Hans Leyendecker hatte bereits am Samstag angesichts der Festnahme zur "Solidarität der Anständigen" aufgerufen. "Wer die mutige Kapitänin Rackete festnehmen lässt, wer Helfer wie Carola Rackete verfolgt, erschlägt die Menschlichkeit", sagte der Journalist aus Leichlingen (Rheinisch-Bergischer Kreis).

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Vorwurf der unmenschlichen Behandlung

Hans Leyendecker auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag

Hans Leyendecker

Leyendecker verurteilte das Vorgehen von Italiens Innenminister Matteo Salvini als "Schande für Europa" und äußerte Bewunderung für Racketes Mut. "Es braucht jetzt die Solidarität der Anständigen." Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Dortmund hatte sich bereits vor einer Woche mit den Zielen der Flüchtlingshelfer solidarisch erklärt.

Hohe Strafandrohung

Rackete war in der Nacht zu Samstag beim Anlegen in Lampedusa festgenommen worden. Die Kapitänin hatte das Schiff und gerettete Flüchtlinge trotz des Verbots Italiens in den Hafen der Insel gebracht, wo sie sogleich festgenommen wurde. Ihr droht wegen Verstoßes gegen die Schifffahrtsordnung eine Haftstrafe zwischen drei und zehn Jahren.

Familie will Seawatch-Flüchtlinge aufnehmen Lokalzeit Münsterland 28.06.2019 02:31 Min. Verfügbar bis 28.06.2020 WDR Von Rolf Heutmann

Stand: 01.07.2019, 06:57