Leverkusener Brücke: Verzögerung um Jahre

Die Leverkusener Rheinbrücke

Leverkusener Brücke: Verzögerung um Jahre

Von Erik Butterbrodt

  • Mangelnde Qualität von Stahlbauteilen
  • Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe möglich
  • Leverkusens Oberbürgermeister kritisiert Straßen.NRW

Dem Neubau der Leverkusener Rheinbrücke droht Stillstand. Wie es weitergeht, ist auf einmal völlig unklar. Der Grund: Stahlbauteile, von denen einige für die Brücke nun bereits nach Köln verschifft wurden, sind offenbar mangelhaft verarbeitet.

Bauteile aus China

Das bestätigte das NRW-Verkehrsministerium am Samstag (18.04.2020) auf Anfrage des WDR. Der "Kölner Stadtanzeiger" berichtete zuvor über Protokolle des TÜV Rheinland. Die österreichische Baufirma Porr AG hatte für den Bau der Stahlteile eine Firma in China beauftragt.

Dort wurde laut Porr der Bau überwacht. Laut TÜV Rheinland aber nicht genug - man habe auf Auffälligkeiten der Stahlbauteile hingewiesen. Auch Straßen.NRW stellte mittlerweile gravierende Mängel bei den Bauteilen fest. 

Mehrkosten in dreistelliger Millionen-Höhe möglich

Nach WDR-Informationen soll es in der kommenden Woche weitere Gespräche mit der Baufirma geben. Erst danach soll entschieden werden, ob Verträge mit der Baufirma aufgelöst werden. Sollte das geschehen und müssten die Stahlbauteile neu gefertigt werden, drohen Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich.

Die Porr AG weist die Vorwürfe zurück. Die Bauteile würden europäischen Standards genügen. Vielmehr sei der Zustand der alten, noch abzureißenden Brücke ein Problem. Sie sei mit Asbest belastet.

Auch das treibe die Kosten in die Höhe, die Bauzeit würde ebenso länger. Straßen.NRW jedenfalls habe der Porr AG verboten, die bereits nach Köln gefahrenen Stahlteile an Land zu bringen. 

Ein Frachter, beladen mit Brückenteilen

Frachter bringen Stahlteile für Leverkusener Brücke.

Schock für Leverkusens OB

Für Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath ist die Nachricht ein Schock. Richrath bestätigte dem WDR, dass er von Straßen.NRW über die Stahlprobleme informiert wurde. 

"Das bedeutet natürlich eine große Belastung für die Stadt Leverkusen", sagte er. "Wir werden dadurch weiter einen enormen Schwerlastverkehr in der Stadt zu ertragen haben. Straßen.NRW konnte mir nicht sagen, wie es weitergeht."

Scharfe Kritik an Straßen.NRW

Der Oberbürgermeister kritisiert den Landesbetrieb scharf. Vor allem wirft er ihm mangelnde Kommunikation vor. "Wir hatten mehrere Gespräche mit Straßen.NRW. Es wurde nicht erwähnt, dass hier Probleme vorliegen. Leichte Verzögerungen ja, aber nicht, dass es eine solche Verschärfung der Situation gibt."

Er forderte Straßen.NRW auf, die Situation vollständig aufzuklären. "Hier müssen klare Zuständigkeiten, klare Kompetenzen und Verantwortung geschaffen werden. Nicht nur für Leverkusen, auch für den Standort NRW."

Die Bauzeit wird sich nun wohl um Jahre verlängern.

Stand: 18.04.2020, 13:53