Kölner Krebsforscher stellt wegweisende Ergebnisse zur Leukämie-Behandlung vor

Professor Hallek

Kölner Krebsforscher stellt wegweisende Ergebnisse zur Leukämie-Behandlung vor

Von Monika König

  • Neue Leukämie-Therapie vorgestellt
  • Entwicklung in der Uniklinik Köln
  • Keine Chemotherapie nötig

Bis vor wenigen Jahrzehnten bedeutete die Diagnose für die meisten Patienten das Todesurteil: chronisch lymphatische Leukämie (CLL), die häufigste Form von Blutkrebs. In Zukunft könnte es für viele Kranke gute Chancen auf Heilung geben, sagt der Kölner Arzt Michael Hallek.

Der Onkologe an der Universitätsklinik Köln hat in dieser Woche auf dem weltweit größten Krebskongress in Chicago die Ergebnisse einer großen kontrollierten Studie vorgestellt. Den Angaben zufolge sprechen nach zwei Jahren Therapie mehr als 88 Prozent der Patienten auf eine Kombination von zwei Medikamenten an - ohne begleitende Chemotherapie.

Hinter dem Erfolg steckten 30 Jahre Forschungsarbeit, erklärt Hallek dem WDR. "Die CLL galt als Forschungsthema, mit dem man nicht sehr viele Lorbeeren hat ernten können, und deshalb war sie vernachlässigt." Für ihn als jungen Arzt habe dies auch Chancen geboten. "Da dachte ich mir: Da kümmere ich mich jetzt mal drum."

Das Ziel: "Selbstmord" der Krebszelle

Ein Patient erhält eine Infusion.

Chemotherapie hat Nebenwirkungen

Das Prinzip der neuen Therapie: Patienten werden mit einem Antikörper behandelt, das direkt an CD20, einem Oberflächenmolekül der Krebszelle, andockt. Hierdurch wird ein "Selbstmordmechanismus" der Krebszelle ausgelöst. Das allein reicht jedoch nicht, weil die Krebszelle mithilfe des Proteins BCL2 die Selbstzerstörung abwenden kann.

Daher wird ein weiteres Medikament für die Therapie genutzt, das BCL2 hemmt. In den meisten Fällen sollen die Krebszellen durch die Kombination der beiden Medikamente zerstört werden. Eine Chemotherapie mit starken Nebenwirkungen sei nicht mehr nötig.

Positive Reaktionen aus der Fachwelt

Das Ergebnis seiner Forschung wurde jetzt in einem der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht: dem New England Journal of Medicine. Hallek zufolge sind die Reaktionen aus der internationalen Fachwelt begeistert. In den USA habe sich damit nach Aussage des Assistant Professor an der Harvard Medical School Matthew S. Davids, der ebenfalls in der CLL-Forschung aktiv ist, unmittelbar die ärztliche Praxis verändert.

Neuer Standard in der Behandlung

"Das heißt: Morgen ist in den USA die Behandlung dieser Leukämie mit dieser Kombination der Standard. Wir werden das in Deutschland genauso handhaben." Damit, so Hallek, hätten sich seine Forschungsergebnisse als praxisverändernde klinische Studie erwiesen. "Das ist der schönste Teil der klinischen Forschung."

Stand: 06.06.2019, 17:43