Vor 20 Jahren: Letzte Bundestagssitzung in Bonn

Vor 20 Jahren: Letzte Bundestagssitzung in Bonn

Von Jörg Sauerwein

  • Letzte Sitzung des Bonner Bundestags am 01.07.1999
  • Bonn trug wesentlich zur deutschen Demokratie bei
  • Inzwischen Vereinte Nationen im Abgeordnetenhaus

50 Jahre lang schrieben die Bundestagsabgeordneten in Bonn deutsche Politikgeschichte, bis am 01.07.1999 der Tag des Abschieds gekommen war. Nach dem Bonn-Berlin-Beschluss und dem damit verbundenen Regierungsumzug kamen die Politiker an diesem Tag vor 20 Jahren zum letzten Mal im Plenarsaal der beschaulichen Stadt am Rhein zusammen.

Die Wiege der zweiten deutschen Demokratie

Am Sitz des deutschen Parlaments in Bonn geht es jahrzehntelang deutlich beschaulicher zu als in anderen Parlamentsstädten. Trotzdem werde Bonn künftigen Generationen als "Wiege der zweiten deutschen Demokratie" in Erinnerung bleiben, so Altkanzler Helmut Kohl in der letzten Sitzung im Bonner Bundestag.

50 Jahre Bundestag in Bonn: Das sind 14 Legislaturperioden mit insgesamt acht verschiedenen Bundeskanzlern. Und mit zum Teil hitzigen Debatten.

Abstimmungen am Anfang und am Ende

Am Anfang des Bonner Parlamentssitz steht eine Abstimmung. Adenauer verkündet: "Es haben erhalten: Bonn, 33, Frankfurt 29." Es folgen Westbindung, Wiederbewaffnung, Streit um den NATO-Doppelbeschluss und Kanzler-Rücktritte bis zur Wiedervereinigung.

Dann endet die Zeit als Bonner Parlamentssitz so wie sie begonnen hat: mit einer Abstimmung. "Für den Antrag Bundesstaatslösung, Bonn-Antrag, 320 Stimmen. Für den Antrag Vollendung der Einheit Deutschlands, Berlin-Antrag, 337 Stimmen", so Rita Süßmuth am 20. Juni 1991.

Rheinische Problemlösung im Bonner Parlament

Der in Bonn aufgewachsene spätere Außenminister Guido Westerwelle macht schon damals deutlich, dass im großen Berlin einiges anders werden könnte: Die Fußläufigkeit des Regierungssitzes in Bonn ist sehr oft belächelt und bespöttelt worden. Sie wird uns noch fehlen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil die tatsächliche Nähe auch konfliktreduzierend gewirkt hat. Man konnte sich in Bonn niemals lange aus dem Wege gehen. Das zwang zur rheinischen Lösung von manchem Problem, auch nach heftigem Streit.“

Auch Altkanzler Kohl, der sich für den Parlamentsumzug nach Berlin ausgesprochen hatte, lobt die Stadt am Rhein zum Abschied noch einmal. Die geistig-kulturelle Offenheit der Universitätsstadt, die fröhliche Herzlichkeit und nicht zuletzt die charakteristische Atmosphäre von Bürgersinn und Toleranz gepaart mit einer kräftigen Dosis Selbstironie habe in diesen Jahren sehr geholfen.

Die Vereinten Nationen unter den Augen des Bundesadlers

Große Politik wird am Tag des Abschieds nicht mehr gemacht– aber einer legt Wert darauf, dass er seinen besonderen Tag noch in Bonn und nicht etwa schon in Berlin begeht: Johannes Rau wird an diesem Tag noch als Bundespräsident vereidigt. Dann schließen sich die Türen nach der letzten Sitzung des Bundestags in Bonn.

In den Räumen allerdings lebt die Politik weiter. Ins Abgeordnetenhaus sind längst die Vereinten Nationen eingezogen und im alten Bundestag finden viele Veranstaltungen unter den Augen des alten Bundesadlers statt, der jahrelang sein Auge auf der deutschen Politik hatte.

Berlin-Bonn-Gesetz: "Der Umzug hat nicht viel verändert"

WDR 5 Morgenecho - Interview 26.04.2019 06:50 Min. Verfügbar bis 25.04.2020 WDR 5

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Stand: 01.07.2019, 05:00

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