Personalskandal an Bonner Theater

Personalskandal an Bonner Theater

Von Sebastian Tittelbach

  • Rechnungsprüfer: Leihkräfte ohne faire Bezahlung beschäftigt
  • Mögliche Scheinselbständigkeit
  • Linksfraktion: Stadtrat hat Theateretat zu stark gekürzt  

Das städtische Theater steht wegen des übermäßigen Einsatzes von Leiharbeitern in der Kritik. Das Rechnungsprüfungsamt hat viele Verstöße festgestellt.

Über 70 Seiten ist der Bericht des städtischen Rechnungsprüfungsamts dick, und er listet eine ganze Reihe Fehler auf. Demnach soll das städtische Theater über Jahre hinweg Leiharbeiter wie reguläre Angestellte beschäftigt haben. Allerdings ist dem Bericht zufolge eine faire Bezahlung der Arbeitskräfte gezielt umgangen worden, außerdem habe das Theater fehlerhafte Verträge mit einer Leiharbeitsfirma geschlossen und die Vergaberegeln missachtet.

Zustände sollen seit Jahren bestehen

Dem WDR liegt der vertrauliche Bericht vor. Die Rechnungsprüfer sind der Überzeugung, dass die Zustände bereits seit Jahren bestehen und das Ausmaß mit jeder Spielzeit größer wurde. Im Fokus steht eine nicht namentlich genannte Firma, über die das Theater sechs Leiharbeitskräfte und zeitweise auch den Firmeninhaber selbst beschäftigte.

Tim Achtermeier, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Bonner Stadtrat, fordert, dass Leiharbeit in städtischen Betrieben wie dem Theater nur sehr dosiert eingesetzt werden sollte und dabei nicht getrickst werden dürfe. Auch die Stadtverwaltung spricht von unerfreulichen Zuständen, die sehr schnell abgestellt werden sollen.

Linksfraktion fordert mehr Stellen für Theater

Die Linksfraktion kritisiert die übermäßige Beschäftigung von Leiharbeitskräften, sieht die Ursache aber nicht beim Theater. Der Stadtrat habe seit Jahren die Mittel für das Theater gekürzt. Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, habe das Theater auf Leiharbeit gesetzt. Die Fraktion will sich dafür einsetzen, dass das Theater mehr Mitarbeiter anstellen kann. 

Stand: 18.06.2019, 19:00

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