Leichlinger Bahnübergang wird zur Falle

Eine geschlossene Bahnschranke.

Leichlinger Bahnübergang wird zur Falle

  • Senior zu langsam für Bahnübergang in Leichlingen
  • Zwischen Schranken eingeschlossen
  • Bahn hält Übergang für ordnungsgemäß

Vorsichtig nähert sich Gerd Cislik dem Bahnübergang am Leichlinger Bahnhof. Der 81-Jährige ist nicht mehr gut zu Fuß. Er geht an Stöcken oder mit einem Rollator.

Ist der Leichlinger bereits auf den Gleisen, wenn sich ein Zug ankündigt, dann schafft er es nicht mehr rechtzeitig auf die andere Seite. Schon mehrmals wurde es für den Senior eng.

Zwischen Zug und Schranke

"Vor mir ging schon die Schranke runter, so dass ich auf der Innenseite gefangen war. Das ist natürlich saugefährlich, wenn man zwischen der Schranke und den Gleisen stehen muss. Dann donnerte ein ICE an mir vorbei. Das ist eine verdammt blöde Situation. Ich hatte Angst, durch den Sog mitgerissen zu werden", erzählt Gerd Cislik.

Mann der an einem Bahnübergang steht und Walkingstöcke in der Hand hält

Gerd Cislik am Leichlinger Bahnübergang

Gefangen zwischen Zug und Schranke - das kann so nicht gewesen sein, meint die Bahn. Schließlich sei der Bereich zwischen den Schranken radarüberwacht. So soll verhindert werden, dass ein Zug durchfährt, wenn noch jemand auf den Gleisen unterwegs ist.

Ein Bahnsprecher erklärt: "Sollte - wie im vorliegenden Fall - jemand es nicht schaffen, die knapp 20 Meter lange Strecke von Einschaltung bis zum Schließen der Schranken zurückzulegen, ist aber sichergestellt, dass kein Zug den Bahnübergang passieren kann"

Aussage gegen Aussage

Die Bahn meint also: Ein Zug würde gestoppt, sollte die Radaranlage eine Person zwischen den Schranken feststellen. Einem Zug hätte Gerd Cislik dort also gar nicht begegnen dürfen.

Jetzt steht Aussage gegen Aussage. Denn laut Bahn funktioniert die Anlage ordnungsgemäß.

Fakt ist: der gehbehinderte Senior braucht für eine Gleisüberquerung viel länger als vorgesehen. Das Schließen des Bahnübergangs zu verlängern, ist laut Bahn aber nicht möglich. Dazu sei die Strecke zu stark befahren.

Stand: 20.01.2020, 11:10

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