Corona-Hotspot: Wie lebt es sich in der Hochhaussiedlung Kölnberg?

Hochhaussiedlung Kölnberg

Corona-Hotspot: Wie lebt es sich in der Hochhaussiedlung Kölnberg?

Für die meisten Bewohner der Hochhaussiedlung am Kölnberg in Meschenich ist das Coronavirus nur eines von vielen Problemen. Wir haben uns angeschaut, wie sie leben und was sie bewegt.

In der Hochhaussiedlung Kölnberg im Kölner Stadtteil Meschenich hat seit Freitagmorgen ein Impfzentrum der Caritas geöffnet. Die Infektionszahlen in dem Viertel sind hoch. Wie hoch, das kann niemand genau sagen. Denn in der Hochhaussiedlung leben viele Menschen, die in Deutschland nicht gemeldet und nicht krankenversichert sind. Deshalb haben sie auch kein Interesse daran, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Untervermietung an Arbeitssuchende aus dem Ausland

Es ist nicht klar, wie viele Menschen am Kölnberg wohnen“, sagt der Sozialarbeiter Cristian Roiban von der Caritas dem WDR. In den Wohnungen werden oft Zimmer gegen Bares untervermietet, an Menschen, die aus dem Ausland nach Köln kommen, um hier Arbeit zu suchen. Das System ist vielen Bewohnern des Kölnbergs bekannt. Es sei aber besser, darüber nicht zu reden, sagen Anwohner dem WDR.

Viele Bewohner stammen aus Bulgarien und Rumänien

Mit der Sozialarbeiterin Katerina Aleksieva besuchen wir Familien, die offiziell am Kölnberg leben. „Viele kommen aus Bulgarien und Rumänien, aus dem Irak und Afghanistan“, berichtet Aleksieva, die im Auftrag der Caritas jugendliche Migrantinnen und Migranten bei Problemen mit Behörden, Krankenkassen oder Schulen unterstützt.

Das Bild zeigt eine Frau mittleren Alters mit Brille

Liliana ist mit ihrer Tochter aus Bulgarien in die Hochhaussiedlung gezogen

Zu den Menschen, um die sich Alksieva kümmert, gehört Violetta. Die 20-Jährige ist mit ihrer Mutter Liliana aus Bulgarien nach Köln gekommen. „Mir wurde schon in Bulgarien gesagt, dass am Kölnberg viele Bulgaren sind und man hier eine Wohnung finden kann“, sagt Liliana.

Blinde Frau im Rollstuhl auf der 10. Etage

Tochter Violetta ist blind und auf den Rollstuhl angewiesen. Die Mutter wollte für die Tochter ein besseres Leben, vor allem eine bessere medizinische Versorgung als in Bulgarien. Jetzt leben Mutter und Tochter in dem größten Hochhaus am Kölnberg auf der 10. Etage in einer 30-Quadratmeter-Wohnung.

Steckdosen hängen lose aus einer Wand

In dieser Wohnung am Kölnberg hängen die Steckdosen aus der Wand

Violetta geht auf eine Blindenschule in Düren. Jeden Morgen muss sie aus der 10. Etage runter zum Schulbus. „Das ist ein großes Problem“, sagt Violetta. Oft funktioniere einer der beiden Aufzüge nicht. Dann sei der andere Aufzug so voll, dass sie mit dem Rollstuhl nicht hineinkomme. Nachbarn müssten dann mit anpacken, um sie durchs Treppenhaus zum Schulbus zu bringen.

Barrierefreie Wohnung - Fehlanzeige

Violetta kann die Wohnung nicht allein verlassen, keine Freunde treffen, nicht einmal selbständig zum Arzt“, berichtet die Sozialarbeiterin. Katerina Aleksieva hilft bei der Suche nach einer barrierefreien Wohnung – bisher ohne Erfolg. „Probleme mit ihren Wohnungen haben hier sehr viele Menschen“, erzählt die Sozialarbeiterin. In einigen der Hochhäuser hätten sich Bettwanzen verbreitet. Schädlingsbekämpfung habe oft keinen Erfolg, weil sich die Insekten in Rissen und Spalten verstecken. „Es gibt Familien, deren Kinder so zerstochen sind, dass sie sie nicht mehr in die Kita schicken mögen, aus Scham“, sagt Aleksieva.

Wohnungen dringend sanierungsbedürftig

Schimmel an einer Wand in der Kölner Hochhaussiedlung Kölnberg

An der Wand in dieser Wohnung der Hochhaussiedlung Kölnberg blüht der Schimmel

Eine andere Familie kämpft seit Jahren darum, dass der Vermieter etwas gegen Schimmel und feuchte Wände unternimmt. In der Wohnung im 17. Stock hängen im Schlafzimmer die Tapeten von der Wand, dahinter blüht der Schimmel. Der Laminatboden ist zerschlissen. Im Bad sind lose Kacheln notdürftig mit Klebeband befestigt, Steckdosen hängen aus der Wand. „Die Familie hat den Mieterverein eingeschaltet. Der Vermieter reagiert trotzdem nicht“, sagt Sozialarbeiterin Aleksieva. „Solche Beipiele zeigen: Die Menschen am Kölnberg haben viele Probleme. Corona ist nur eines davon.

Angst vor den Folgen einer Corona-Impfung

An diesem Freitagnachmittag ist sie noch einmal mit Liliana verabredet. Sie will mit der Frau über die medizinische Versorgung ihrer Tochter Violetta sprechen, auch über eine Corona-Impfung. Liliana ist skeptisch. Niemand, den sie kenne, sei für eine Impfung. „Alle machen sich Sorgen wegen der Nebenwirkungen“, sagt Liliana. Sozialarbeiterin Aleksieva will dabei helfen, die Menschen am Kölnberg aufzuklären. „Ich versuche zu verstehen, welche Sorgen sie sich machen. Ich kann dann Gespräche mit Ärzten vermitteln und vielleicht den Menschen die Ängste nehmen“, sagt die ausgebildete Psychologin.

Liliana ist aber auch nach dem Gespräch noch skeptisch. Von Verwandten und Bekannten habe sie viele Dinge gehört, die sie an Corona und am Impfen zweifeln lassen. Immerhin macht sie aber einen Termin bei einer Ärztin aus, um sich dort ganz genau über das Thema zu informieren.

Stand: 07.05.2021, 19:42