Senioren beklagen weiten Weg zum Corona-Impfzentrum

Ältere Frau mit Gehwagen

Senioren beklagen weiten Weg zum Corona-Impfzentrum

Eine Seniorin aus Monheim weiß nicht, wie sie zum Impfzentrum nach Erkrath kommen soll. Wenn der Kreis keine Lösung findet, muss sie auf die Corona-Impfung verzichten. Sie ist nicht die einzige mit diesem Problem.

Ursula Pick ist 89 Jahre alt. Sie wohnt in Monheim in einer Wohnanlage für Senioren. Da es sich dabei nicht um ein Altenheim handelt, kommt kein Impfteam vorbei, dass die Senioren gegen das Coronavirus impft – das macht Ursula Pick zu schaffen. Seit Tagen überlegt sie, wie sie ins Impfzentrum nach Erkrath kommt.

Fahrt mit Bus und Bahn nicht möglich

Die Seniorin möchte sich gern gegen COVID-19 impfen lassen. Sie hat Angst, sich aufgrund ihres Alters leicht mit dem Virus zu infizieren. Ursula Pick hat sich deshalb bereits erkundigt, welche Wege es gibt, um das zuständige Impfzentrum zu erreichen. Dieses liegt für alle Städte im Kreis Mettmann in Erkrath.

Da sie gesundheitlich angeschlagen und ihrem Alter entsprechend nicht mehr so fit ist, kann Ursula Pick nicht den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Sie ist unter anderem auf einen Gehwagen angewiesen. Auf der Fahrt umzusteigen, sei für sie deshalb unmöglich.

Niemand kann sie zum Impfzentrum fahren

Eine Pflegeheimbewohnerin des Seniorenzentrum Köln-Riehl erhält die Impfung mit dem Impfstoff von Biontech Pfizer.

Für eine Taxifahrt zum Impfzentrum des Kreis Mettmann fehlt Ursula Pick das Geld. Hin- und Rückfahrt nach Erkrath kosten 90 Euro. Eine Berechtigung führt Krankenfahrten hat Ursula Pick ebenfalls nicht.

Auch in ihrem Umfeld gibt es niemanden, der die 80-Jährige zur Impfung fahren kann. Ihre Tochter ist selbst pflegebedürftig. Ursula Pick ist verzweifelt. Sie macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll: "Ich würde so gerne geimpft werden, aber unter diesen Umständen kann ich das nicht."

Seniorin fordert Angebot der Stadt

Ursula Pick bemängelt, dass nur Senioren in Pflegeheimen mit dem Corona-Impfstoff versorgt werden und nicht auch Senioren, die in einem betreuten Wohnen leben.

Die Seniorin wünscht sich, dass es in Monheim ein Impf-Angebot gibt. Doch dazu wird es vermutlich nicht kommen. Das Land NRW will aus logistischen Gründen in jedem Kreis nur ein Impfzentrum.

Alternativ kann sich Ursula Pick vorstellen, mit einem Sammelbus zum Impfzentrum nach Erkrath zu fahren. Sie hofft weiter, dass die Stadt Monheim ein Lösung für Senioren findet, sie nicht mobil sind.

Impfung erscheint vielen Senioren zu umständlich

Ursula Pick ist kein Einzelfall – auch nicht in ihrer Wohnanlage. Das ist eins von zwei Häusern der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Täglich sprechen dort Senioren Leiterin Stefanie Rohm an. Alle haben Fragen zur Corona-Impfung und Sorgen, sich überhaupt impfen lassen zu können.

Stefanie Rohm erklärte dem WDR, dass die AWO nicht jeden Bewohner einzeln zum Termin fahren könne. Es gebe lediglich ein Auto und in diesem könnte neben dem Fahrer immer nur eine weitere Person sitzen. Die Leiterin der AWO-Begegnungsstätte wünscht sich deshalb, "dass ein mobiler Impftrupp hier rauskommt und alle Bewohner möglichst zeitnah impft." Eine Lösung müsse dringend gefunden werden. Denn viele Senioren würden inzwischen bereits auf die Impfung verzichten wollen, weil ihnen das Ganze nicht machbar erscheine.

Kreis kündigt Unterstützung an

Inzwischen hat der Kreis Mettmann das Problem erkannt. Die Seniorinnen und Senioren, die keine Angehörigen oder Nachbarn hätten, die sie fahren könnten, würden von ihren Städten ein Hilfsangebot bekommen, verspricht Landrat Thomas Hendele (CDU). Informationen gebe es mit der schriftlichen Einladung zum Impfen. Darauf hofft jetzt auch Ursula Pick.

Stand: 15.01.2021, 19:39