Durchwachsene Aussichten für Flughafen Niederrhein

Wie geht es dem Flughafen Weeze? 03:09 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 Von Wolters, Frank

Durchwachsene Aussichten für Flughafen Niederrhein

Von Andreas Palik

  • Flughafen Niederrhein hat wirtschaftliche Probleme
  • Kreis Kleve fördert Flughafen mit zwei Millionen
  • Gegner sehen keine Zukunft

Sinkende Passagierzahlen und wirtschaftlich am Limit – der Flughafen Niederrhein in Weeze hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Kreis Kleve teilte dem WDR vergangene Woche (30.12.2019) auf Anfrage mit, dass er an der finanziellen Unterstützung des Flughafens festhalten wolle. Kritiker sehen hingegen keine Zukunft für den Flughafen.

Verlustgeschäft für Flughafen und Kreis Kleve

Im vergangenen Jahr haben sich die Passagierzahlen um knapp ein Drittel verringert. Aktuell starteten nur noch gut 500.000 Passagiere in Weeze. Trotzdem bekommt der Flughafen vom Kreis Kleve und der Gemeinde Weeze erneut finanzielle Unterstützung – in Höhe von zwei Millionen Euro. Seit der Eröffnung des Flughafens 2003 hat der Kreis mehr als 24 Millionen Euro an zinsfreien Krediten zur Verfügung gestellt. Teils wurden diese auch zurückbezahlt, sagt der Kreis Kleve. Der Kreis ist als Teilhaber, in Form einer stillen Gesellschaft, an allen Risiken des Flughafens beteiligt. Man wolle auch künftig am Flughafen festhalten. "Er ist eine erhebliche Infrastruktureinrichtung", so der Kreis Kleve. So könnten auch zahlreiche Arbeitsplätze gesichert werden.

Corendon ab Sommer zweite Fluglinie - Abhängigkeit von Ryanair bleibt

Ab diesem Sommer wird die türkische Billigfluglinie Corendon wöchentlich vier Ziele am Mittelmeer anfliegen. Der Flughafen Niederrhein bleibt dennoch abhängig von der irischen Billigflug-Airline Ryanair. Weil die Airline immer mehr Flüge nach Düsseldorf verlagert, wurden bereits Ziele ab Weeze gestrichen. Wirtschaftsgeograf Rudolf Juchelka von der Universität Duisburg-Essen ist grundsätzlich skeptisch: "Regionalflughäfen sind Zuschussgeschäfte. Ich habe große Zweifel, ob der Flughafen Niederrhein regionalökonomisch tragbar ist."

Regionalflughäfen sind ein Zuschussgeschäft

Vor 18 Jahren wurde die Betriebserklärung für den Flughafen unterschrieben. Schon damals, vor der Eröffnung 2003, fehlte das Geld, beispielsweise für Handwerkerrechnungen. Der Kreis Kleve half mit einem Kredit aus, um eine drohende Insolvenz zu verhindern.

2016 entschied die Europäische Union, dass die Kredite nicht weiter verlängert werden dürfen. Auch die IATA, der Welt-Dachverband aller Fluggesellschaften, forderte Deutschland im November auf, die Förderung der insgesamt elf Regionalflughäfen einzustellen.

Stand: 06.01.2020, 15:27