Verhaftungen in der Türkei: "Der deutsche Pass schützt nicht"

Im Schatten der Türken | Türklerin gölgesinde

Verhaftungen in der Türkei: "Der deutsche Pass schützt nicht"

  • Bei Kurden in Deutschland wächst Sorge vor Verfolgung
  • Reisen in die Türkei immer riskanter
  • Verhaftung des Juristen ein weiterer Beleg für hartes Vorgehen

Die Verhaftung eines Juristen in Ankara, der vielleicht sensible Daten von Asylbewerbern in Deutschland bei sich hatte, hat die Angst der Kurden vor Verfolgung in der Türkei verschärft. Grund zur Sorge haben sie seit Jahren.

Das Auswärtige Amt warnt, dass seit 2017 immer mehr Deutsche willkürlich festgenommen oder mit einer Ausreisesperre belegt würden - vor allem solche, die hier in kurdischen Vereinen aktiv sind. Bekir Topgider aus Köln ist einer von ihnen.

Verwandte besucht, im Gefängnis gelandet

Topgider, Kurde mit deutschem Pass, wollte Verwandte besuchen. Jetzt sitzt er als angebliches Mitglied der verbotenen PKK seit zehn Tagen in Ankara in Haft.

Dabei gilt der Vorstandsvorsitzende des kurdischen Dachverbands Komkar als Aktivist, der sich seit Jahrzehnten für eine friedliche Lösung der Kurdenfrage engagiert. Seine Frau Zehra hatte ihn gewarnt: "Wir haben wirklich Angst gehabt. Und es ist auch geschehen."

Erdogans Repressionen: Die Angst der Oppositionellen in NRW

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 22.11.2019 03:03 Min. Verfügbar bis 21.11.2020 WDR 5 Von Jomana Djoumma

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"Der deutsche Pass schützt nicht"

Seit dem vereitelten Putsch gegen Erdogan geht die Türkei mit Härte gegen Kritiker vor. Viele Kurden wagen es nicht mehr, in die Türkei zu reisen.

Auch Mehmet Tanriverdi nicht, Vize-Vorsitzende der "Kurdischen Gemeinde", die nach eigenen Angaben 100.000 der 1,3 Millionen Kurden in Deutschland errreicht: "Der deutsche Pass schützt nicht."

Zahl der Festnahmen in die Höhe geschnellt

"Die Zahl der Festnahmen hat sich in den letzten Wochen fast verdreifacht", schätzt Tanriverdi im Gespräch mit dem WDR am Freitag (22.11.2019). Er wirft dem Auswärtigen Amt Untätigkeit vor: "Ich kann mich nicht erinnern, dass sie mal den türkischen Botschafter in Berlin einbestellt hätten."

Das Auswärtige Amt zitierte auf Anfrage Außenminister Heiko Maas (SPD): "Wir wollen, dass diese Fälle alle gelöst werden. Solange das nicht der Fall ist, wird das immer etwas sein, was der Normalisierung des Verhältnisses entgegenstehen wird."

Vorsicht am Telefon

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan spricht auf einer Pressekonferenz in Istanbul

Lässt Gegner verfolgen: Erdogan

Nicht alle Konfrontationen mit den türkischen Behörden enden mit einer Festnahme. Musa Ataman aus Troisdorf wurde bei der Einreise stundenlang verhört und dann abgeschoben.

Vorher musste er erklären, was er zum Beispiel vom Einmarsch der türkischen Armee ins Kurdengebiet halte. "Absurd", sagt der Mitbegründer der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn.

Reisen zur Verwandtschaft kommen für ihn nicht mehr in Frage, er meidet am Telefon brisante Themen, falls die Gespräche abgehört werden. "Ich habe das Glück, dass ich einem freien Land lebe. Aber die Menschen dort haben diese Chance nicht."

Stand: 22.11.2019, 18:03