Viele Kühe sterben qualvoll wegen Müll auf Wiesen

Ein Landwirt steht im Stall vor mehreren Kühen.

Viele Kühe sterben qualvoll wegen Müll auf Wiesen

Von Katharina Paris

Ein Landwirt aus Kranenburg verliert im Jahr zwei bis drei Kühe, weil Menschen Abfall auf seine Wiesen werfen, der dann beim Kleinhäckseln ins Tierfutter gelangt. Die Kühe sterben qualvoll.

Langsam läuft Josef Pruys durch den Gang seines Kuhstalls und schaut seinen Tieren beim Fressen zu. In diesen Tagen beobachtet er sie besonders aufmerksam, denn gerade erst wieder ist eine seiner insgesamt 85 Kühe qualvoll gestorben. Der Grund: Abfall, der ins Futter der Tiere gelangt ist.

„Es war wirklich schlimm, das Tier so zu sehen. Erst hat es nicht mehr gefressen und kaum noch Milch gegeben, am Ende konnte es nicht mehr aufstehen. Der Tierarzt konnte nichts mehr machen“, erzählt der Landwirt. Auch für die Schlachtung war es dann zu spät.

"Autofahrer werfen ihren Müll einfach raus"

Seit über 40 Jahren bewirtschaftet Pruys den kleinen Hof in Kranenburg-Niel, der umgeben ist von vielen Wiesen. Einige dieser Wiesen liegen direkt an einer vielbefahrenen Landstraße. „Die Autofahrer machen dann das Fenster auf und werfen ihren Müll einfach raus.“

Etliche Getränkedosen, Glas- und Plastikflaschen und Tüten sind dann auf der Wiese verteilt. Zwar geht der Kranenburger regelmäßig mit einem großen Beutel die Strecken ab und sammelt den Müll ein, „aber irgendwas übersieht man dann doch oder es wird wieder neuer Abfall einfach dort hingeschmissen“. Irgendwann ist das Gras so hoch, dass man die Dosen und Flaschen nicht mehr sieht.

So gelangen Metall und Plastik in den Häcksler, wenn Josef Pruys das Tierfutter für seine Kühe herstellt. Die Folgen sind fatal. Durch das Häckseln werden vor allem die Aluminiumdosen zu kleinen scharfen Stückchen und verletzten den Magen der Tiere  - und manchmal sogar das Herz -  so schwer, dass das Tier keine Chance mehr hat.

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Keine Hoffnung auf Einsicht der Menschen

„Fremdkörpererkrankung bei Kühen gab es früher sehr häufig“, erklärt Tierarzt Siegfried Marquardt. Schon immer haben die Tiere mit der Nahrung kleine Eisenteile von Zäunen oder Baumaschinen mit aufgenommen. Deshalb sei es mittlerweile gängige Praxis, dass Landwirte ihren Tieren in jungen Jahren einen Magneten einsetzen, der dann viele Jahre im Pansen liegt und die kleinen Metallteilchen anzieht. Diese verrotten dann langsam im Vormagen und machen der Kuh in der Regel keinen Ärger. „Leider helfen diese Magnete bei Leichtmetallen wie Aludosen aber nicht“, so Marquardt.

Für Josef Pruys ist es immer wieder traurig und deprimierend, dass er seinen Tieren nicht wirklich helfen kann. Dass die Menschen endlich einsichtig werden und ihren Müll nicht mehr sinnlos aus dem Autofenster werfen, darauf hofft er schon längst nicht mehr. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als immer wieder die Wiesen abzugehen und den Müll anderer Leute einzusammeln.

Stand: 03.03.2021, 14:09

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