Kriminelle nutzen Flut als Chance

Aufräumen in Erftstadt-Blessem

Kriminelle nutzen Flut als Chance

Von Märte Burmeister

Nach dem Hochwasser im Rheinland und an der Ahr gibt es viel Hilfsbereitschaft auf der einen Seite – auf der anderen nutzen Kriminelle die Not der betroffenen Menschen aus.

Fake Shops, falsche Gutacher, unseriöse Handwerker und Helfer: In den letzten Tagen häuften sich die Warnungen vor verschiedenen kriminellen Tricks und Machenschaften – und vermitteln das Gefühl, dass nach dem Hochwasser nun eine Welle der Kriminalität in die betroffenen Gebiete flutet.

Vorsicht vor falschen Handwerkern und Helfern

Von einer Kriminalitätsflut spricht die Polizei zwar nicht, aber bestimmte kriminelle Maschen hätten zugenommen: So sind der Polizei im Kreis Euskirchen nun vermehrt Fälle von falschen Handwerkern aufgefallen, die derzeit gefragte Elektro- oder Trocknungsarbeiten anbieten, diese aber gar nicht ausführen, oder ausführen können.

Aus dem Ahrtal meldet die Polizei Koblenz falsche Antragshelfer, die vorgeben, im Auftrag der Kreisverwaltung vor Ort zu sein und Hilfe bei der Antragstellung für Soforthilfe zu leisten – tatsächlich fragen sie die Leute jedoch aus, auch nach deren Kontodaten.

"Vorsicht bei Leuten, die an der Haustür klingeln, um etwas anzubieten", so ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Euskirchen. Logisch betrachtet ist eigentlich auch klar: Wer seriös eine gefragte Dienstleistung anbietet, dürfte es in der Regel nicht nötig haben, von Tür zu Tür zu wandern.

Probleme mit Schrotthändlern

Auch illegale Schrotthändler, die unerlaubterweise kaputte Sachen mitnehmen, sind der Kreispolizeibehörde Euskirchen vermehrt aufgefallen. Das Problem kennt auch die Polizei im Rhein-Erft-Kreis. Hier sind zuletzt auch fünf Fälle von Einbrüchen und Diebstählen in beschädigten Häusern angezeigt worden.

Viele Dinge, die sich in den von der Flut betroffenen Gebiete an den Straßenrändern teilweise türmen, sind zwar nicht mehr brauchbar. Aber wie beim Sperrmüll auch dürfen sie nicht einfach mitgenommen werden. Denn teilweise muss der beschädigte Hausrat von der Versicherung begutachtet werden – ist alles weg, haben die von der Flut betroffenen Menschen nicht nur materiellen, sondern auch finanziellen Schaden zu beklagen.

Fake Shop-Fälle halten sich noch in Grenzen

Die angezeigten Fälle von Fake Shops lassen sich bisher noch an den Fingern abzählen. Drei Fälle meldet bisher die Polizei Bonn, wo Bautrockner angeboten wurden, die dann gar nicht existierten. Ebenso viele sind Stand Montag bei der Kreispolizeibehörde Euskirchen online angezeigt worden. 

"Fake Shops sind nichts Neues, die gibt es schon länger", so ein Sprecher der Bonner Polizei, "nur jetzt bezieht sich die angebotene Ware auf die Hochwasser-Not."

Stand: 26.07.2021, 15:36