Feuer im Affenhaus: Massa, Charly, Lea - Lieblinge der Zoobesucher

Feuer im Affenhaus: Massa, Charly, Lea - Lieblinge der Zoobesucher

Von Christian Zelle

  • Lieblinge der Krefelder Zoobesucher sterben bei Brand
  • Schimpansen-Chef bei Störungen stinkig
  • Silberrücken reagiert allergisch auf Karneval
  • Orang-Utan trotz Flaschenaufzucht gute Mutter

Der Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos, bei dem unter anderem acht Menschenaffen gestorben sind, hat die Stadt Krefeld tief erschüttert. Der Gorilla-Silberrücken Massa, der von Anfang an im Affentropenhaus lebte, der Schimpansen-Chef Charly und die vielfache Orang-Utan-Mutter Lea starben in der Nacht. Sie alle waren bei Zoobesuchern sehr beliebt.

Bally und Limbo überleben Feuer im Affenhaus

Dabei hatte etwa Charly, dessen Artgenossen Bally und Limbo das Feuer im Affenhaus als einzige überlebten, keine Probleme damit, sich unbeliebt zu machen. Ob Studenten, die gekommen waren, um ihn zu zeichnen, oder laute Schülergruppen – wenn Charly sich gestört fühlte, ließ er schon mal Fäkalien fliegen. Die Besucher waren aber gewarnt und Treffer des bis zuletzt temperamentvollen Charly nicht die Regel.

Mit seinen 46 Jahren zählte der Schimpanse zu den Senioren im Affenhaus – genau wie Silberrücken Massa (48), der im Gehege nebenan die ältere der beiden Flachland-Gorillagruppen im Zoo anführte. Er lebte sei der Eröffnung 1975 im Affentropenhaus und war beliebt ob seiner imposanten Erscheinung – auch wenn ihn seit 2012 Kidogo zumindest als Seiltänzer übertrumpfte.

Das Krefelder Affentropenhaus und seine Bewohner

Bei einem Feuer im Krefelder Zoo ist das Affenhaus bis auf das Grundgerüst niedergebrannt. Bis auf zwei Schimpansen starben alle Tiere in dem Gebäude, darunter acht Menschenaffen.

Orang-Utan Baby Suria klammert sich im Zoo in Krefeld an seine Mutter Lea

Bei dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos starb die gesamte dort lebende Orang-Utan-Familie. Auf dem Archivfoto aus dem Jahr 2016 klammert sich das Orang-Utan Baby Suria an seine Mutter Lea. Beide kamen bei dem Brand um.

Bei dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos starb die gesamte dort lebende Orang-Utan-Familie. Auf dem Archivfoto aus dem Jahr 2016 klammert sich das Orang-Utan Baby Suria an seine Mutter Lea. Beide kamen bei dem Brand um.

Tierpflegerin Eva Ravagni kümmerte sich um die Menschenaffen in Krefeld. Auf dem Bild von 2017 ist sie mit ihrem Zögling Hujan zu sehen. Ravagni zog das Orang-Utan-Baby wegen einer schweren Erkrankung seiner Mutter Sungai mit der Flasche groß. Hujan ist ein Enkel von Lea und lebt seit März vergangenen Jahres in einer Aufzuchtstation für Affen-Waisenkinder in England.

Der 19-jährige Bunjo war der Chef der Orang-Utans und hatte dort 2016 mit Lea erstmals für Nachwuchs gesorgt. Die gemeinsame Tochter Suria starb bei dem Brand mit ihren Eltern.

Der Gorilla-Silberrücken Massa war mit 48 Jahren der Senior im Krefelder Affenhaus – hier ein Foto aus jüngeren Jahren. Er starb bei dem Brand im Zoo ebenso wie seine zwei Jahre jüngere Artgenossin Boma. Mit Boma zeugte Massa insgesamt fünf Kinder (drei männlich, zwei weiblich): Gorgo (Zoo Rostock & Darwineum); Rebecca (Zoo Frankfurt); Bagira (Tierpark Hellabrunn); Kisoro (Zoo Basel; verstorben) und Jambo (Apenheul).

Das Gorilla-Weibchen Boma hatte mit Silberrücken Massa fünf Kinder. Sie war gemeinsam mit Tumba, die im Mai vergangenen Jahr in Krefeld starb, Teil einer erfolgreichen Zuchtgruppe und ihr Nachwuchs nach Angaben des Zoos "entscheidend für den Aufbau einer Zoopopulation in Europa". Boma starb mit Massa in der Silvesternacht.

Charly war mit 46 Jahren der älteste Schimpanse in Krefeld. Er war dafür berüchtigt, dass er Besucher auch schon mal mit Fäkalien bewarf, wenn er sich gestört fühlte. Er überlebte die Silvesternacht nicht, während die beiden Schimpansen Bally und Limbo bei dem Unglück als einzige Überlebende im Affenhaus mit leichten Verletzungen davonkamen.

Das Krefelder Affentropenhaus wurde 1975 eröffnet. Es galt damals dank seiner gitterfreien und tiergerechteren Konzeption und wegen des tropischen Klimas als das modernste in ganz Europa. In dem 2.000 Quadratmeter großen Tropenhaus trennte die Besucher nur ein Trockengraben von den Menschenaffen. Neben Affen lebten dort auch Flughunde und Vögel.

"Seiltänzer" Kidogo sicher im Gorilla-Garten

Zoogehege, Affe auf Seil balancierend

Kidogo, der Seiltänzer

Mit seinen akrobatischen Einlagen zog der mehr als 100 Kilogramm schwere Chef der zweiten Gorilla-Gruppe, die das Feuer im etwas abseits gelegenen Gorilla-Garten überlebte, nach dem Einzug in Krefeld das Interesse der Medien auf sich. Massa dürfte dies indes kaum gejuckt haben, da sich beiden im Zoo nie begegneten und er die Seiltänze somit auch nie sah.

Ob er darauf ähnlich allergisch reagiert hätte wie auf Karnevalskostüme, ist daher nicht bekannt. Letztere zumindest konnte er gar nicht ertragen, wie Tierpflegerin Eva Ravagni dem WDR einst verriert. Karnevalisten, sei es geschminkt oder verkleidet, mussten sich ähnlich wie "Störer" des Schimpansen Charly auf Wurfgeschosse einstellen.

Leas Enkel Hujan lebt in England

Das dominate Gehabe ihrer Nachbarn war der Orang-Utan-Frau Lea völlig fremd. Mit ihren 26 Jahren zählte sie bei den vom Aussterben bedrohten Borneo-Orang-Utans noch nicht zum alten Eisen und erfreute sich regelmäßig neuer Nachkommen, die sie trotz eigener Flaschenaufzucht liebevoll umhegte. In der Silvesternacht fanden auch ihre Töchter Sungai (15), Suria (3) und und ihr Sohn Changi (9) den Tod.

Mit Blick auf die Erhaltung ihrer Art mag es da ein kleiner Trost sein, dass der 2017 geborene Hujan, Sohn von Sungai und somit Leas Enkel, im März 2019 nach England umgezogen ist. Er lebt nun im "Monkey World - Ape Rescue Centre" in der Nähe von Wool, Dorset.

Stand: 02.01.2020, 21:15

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