Krefelder Schiris wollen besseren Schutz vor Gewalt

Amateurfußball: Ein Schiedsrichter verweist einen Spieler des Feldes

Krefelder Schiris wollen besseren Schutz vor Gewalt

Von Thomas Kalus

  • Online-Petition gegen Gewalt an Schiris gestartet
  • Initiatoren werfen DFB Untätigkeit vor
  • Attacken gegen Referees werden immer brutaler

Schiedsrichter aus dem Fußballkreis Kempen-Krefeld haben der Gewalt gegen Unparteiische den Kampf angesagt. Die Gruppe hat eine Online-Petition gestartet, die einen besseren Schutz gegen Angreifer fordert. Die Attacken gegen Unparteiische würden immer brutaler, sagen die Initiatoren.

Die Petition trägt den Titel „Schluss mit der Untätigkeit des DFB“. Darin fordern die Organisatoren Sofortmaßnahmen, um die Schiris in den Amateurligen zu schützen. Im Visier haben sie dabei den Deutschen Fußball-Bund.

Denn der sei schließlich für die Sicherheit der Referees zuständig, sagt Thomas Kirches. Der Unternehmensberater hat selbst bis in die Oberliga hinein Fußballspiele gepfiffen. In der Dritten Liga stand er als Schiedsrichter-Assistent an der Linie.

Zahl der Angriffe auf Schiedsrichter steigt

Gemeinsam mit vier Mitstreitern hat Kirches im Fußballkreis Kempen-Krefeld die Arbeitsgruppe „Keine Gewalt gegen Schiedsrichter" gegründet. Die Gruppe prangert an, dass Schiedsrichter immer öfter Opfer von gewalttätigen Übergriffen werden.

Und tatsächlich zeigt die Statistik des DFB: Die Gewalt gegenüber den Unparteiischen hat zugenommen. Obwohl im Jahr 2017 50.000 Spiele weniger absolviert wurden, stieg die Zahl der Angriffe um rund 50 auf rund 2.900 Fälle im Jahr 2018. Und die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher.

Lebenslange Sperren für Gewalttäter gefordert

Aber es ist nicht nur die Anzahl der Übergriffe, sondern auch die zunehmende Brutalität, die die Krefelder Schiris aufregt. Und ein Ende der Gewaltspirale sei nicht in Sicht, sagt Kirches.

Die nun eingerichtete Petition will härtere Strafen für Gewalttäter. Zum Beispiel lebenslange Sperren. Auch eine Rechtsschutzversicherung für Schiris wird gefordert. So werde sichergestellt, dass sie auch vor Gericht gegen Gewalttäter vorgehen könnten, heißt es in der Petition.

Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter: "Keine Ausnahme mehr"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 25.06.2019 01:49 Min. Verfügbar bis 23.06.2020 WDR 5 Von Doro Blome-Müller

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Zuletzt hatten gleich mehrere schwere Fälle Schlagzeilen gemacht: Ende Oktober wurde in Münster ein 22-jähriger Unparteiischer in einer Kreisligapartie k.o. geschlagen. Er musste mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen werden.

In einem Kölner Amateurspiel Spiel wurde der Unparteiische nach einem Platzverweis von verärgerten Spielern wütend attackiert. Er trug eine Fleischwunde und ein Hämatom davon.

Psychische Folgen von Gewalt

Das größte Problem: Die Betroffenen leiden oft lange an den Folgen. Wenn ein Schiedsrichter körperlich attackiert wird, empfindet er nicht nur die körperlichen Blessuren, sagt der Krefelder Schiedsrichter Thomas Kirches. Oft habe er dann auch ein starkes Gefühl der Ohnmacht.

Deshalb hat seine Arbeitsgruppe einen Konflikt-Beauftragten für Schiedsrichter ins Leben gerufen. Die soll Unterstützung und Hilfestellung leisten, wenn Schiris verbal oder körperlich attackiert worden sind.

Die Organisatoren wollen innerhalb von acht Wochen 10.000 Unterstützer gewinnen. Eine knappe Woche nach dem Start (am 26.11.2019) waren es bereits rund 1.000.

Stand: 02.12.2019, 09:54