Krefeld: Hier teilen sich Protestanten und Katholiken eine Kirche

Die evangelische Gemeinde der Lukaskirche zieht in der katholischen St.-Pius-Kirche in Krefeld-Gartenstadt mit ein

Krefeld: Hier teilen sich Protestanten und Katholiken eine Kirche

Von Sabine Schmitt

In Krefeld zieht eine evangelische Gemeinde in eine katholische Kirche mit ein. Dahinter stecken Geldsorgen. Wie fühlt sich das für die an, die es betrifft?

Das große Holzkreuz muss mit. Wo kommt denn das Kreuz der Protestanten hin, wenn sie einziehen? Pfarrer Christoph Zettner blickt sich in seiner katholischen Kirche Sankt Pius um. Ein bisschen so, wie Partner es tun, wenn der eine zum anderen in die Wohnung zieht.

Pfarrer Christoph Zettner

Es sei ein Architekt da gewesen, sagt er. Man habe ökumenisch sortiert und sich besprochen. Genaues müsse man noch abstimmen. Möglicherweise könnte man das Kreuz aber "da hinten in der Kirche" aufhängen.

Hinten in der Kirche? Ja, sagt Zettner und fügt schnell den Grund hinzu. Es würde zur Architektur der Kirche passen. "Wir haben hier in dieser Achse das Taufbecken. Taufe entspricht der Aufnahme in die Kirche." Das Kreuz wäre dann genau am anderen Ende.

Der Altar kommt nach nebenan

Und der Altar? Der soll in den Gottesdienstraum nebenan. Das stehe schon fest. Das ist auch gut so, denn es ist nicht mehr lang, dann zieht die evangelische Gemeinde der Lukaskirche in die katholischen Sankt-Pius-Kirche in Krefeld-Gartenstadt mit ein. Deshalb wird die Kirche auch umbenannt: in Pius-Luther-Kirche.

Eine Kirche, zwei christliche Konfessionen - so etwas gibt es nicht oft. Den Grund, dafür schon. Es geht ums Geld. Gemeinsam eine Kirche zu nutzen, ist günstiger als zwei. Und doch sieht es so aus, als würde sich hier alles gut fügen.

Krefeld: Hier teilen sich Protestanten und Katholiken eine Kirche

00:44 Min. Verfügbar bis 20.08.2021


Weihnachten feiern alle gemeinsam

Die Ökumene hat im Krefelder Stadtteil Gartenstadt eine jahrzehntelange Tradition. Schon in diesem Jahr soll es zum Beispiel auch ein gemeinsames Weihnachtsfest in der Kirche geben.

Birgit Rauh-Ruppelt ist seit über 25 Jahren Presbyterin der evangelischen Gemeinde. Natürlich sei sie traurig. Schuhkarton würden manche die Lukaskirche nennen, aus der sie jetzt raus muss.

Sie liebt diesen Schuhkarton. Noch steht er, bald wird er abgerissen. Das tut weh. Die Lukaskirche sei eine helle Kirche mit freiem Blick auf den Altar mit Kreuz dahinter. Die Akustik sei fantastisch. Aber was jetzt zählt, sei der Blick in die Zukunft.

"Wir hängen nicht an Mauern"

"Wir hängen nicht an Mauern. Wir stecken die Finanzen, die uns bleiben und die ja auch in Zukunft abnehmen werden, lieber in Menschen und in die Arbeit mit Menschen", sagt Birgit Rauh-Ruppelt. Wenn sie von den Katholiken spricht, nennt sie die auch schon mal "katholische Geschwister". "Wir hoffen, dass das mit ihnen sehr gut klappt."

Auf einem Plakat in der katholischen Kirche steht an die Protestanten gerichtet: "Wir freuen uns auf euch."

Pfarrerin Angelika von Leliwa

Angelika von Leliwa, Pfarrerin der Lukaskirche, sagt zum Zusammenziehen: "Uns vereint in der Tradition ganz viel. Wir haben dieselbe Bibel, dieselbe Grundlage. Uns trennt noch ein Stückchen die Obrigkeit. Aber nur ein bisschen. Ich glaube, das Leben vor Ort schränkt das nicht ein."

Stand: 20.08.2020, 16:33