Blei im Trinkwasser? – Krefelder Mieter fühlen sich im Stich gelassen

Das Bild zeigt, wie Wasser aus einem Wasserhahn in ein Glas fliesst.

Blei im Trinkwasser? – Krefelder Mieter fühlen sich im Stich gelassen

In einem Krefelder Mehrfamilienhaus besteht seit Monaten der Verdacht auf bleiverseuchtes Trinkwasser. Mieter fühlen sich im Stich gelassen, die Stadt will sich den Fall jetzt genauer anschauen.

Beinahe jeden Tag muss Russom Tsegay Weldu seine fünfköpfige Familie mit frischem Trinkwasser versorgen: 18 Liter in den zweiten Stock. Denn welche Schadstoffe in den alten Rohren seiner Mietswohnung lauern, weiß keiner so genau.

Für den 40-Jährigen eine echte logistische Herausforderung. Als Schichtarbeiter in einem Lager hat er wenig Zeit. Auch den Transport muss er jedes Mal organisieren – ein Auto besitzt er nicht. "Das ist alles sehr kompliziert und sehr nervig", berichtet der Familienvater.

Analyse des Trinkwassers verzögert sich immer wieder

Giftiges Leitungswasser – Krefelder Mieter werden alleingelassen

Geschirrspülen, Kochen, Zähneputzen – das geht bei Familie Weldu seit sieben Monaten nur mit Wasser aus der Flasche

Vor sieben Monaten sei dem Vermieter die erhöhte Bleikonzentration aufgefallen. 27 Haushalten in sieben Häusern riet er davon ab, das Leitungswasser zum Trinken, Kochen oder Zähne putzen zu verwenden. Die mutmaßlich alten Bleirohre aber sind immer noch in den Wänden. Auch die versprochene Trinkwasseranalyse lässt auf sich warten.

Mieter sorgen sich um ihre Kinder

Weldu und seine Frau haben vor allem Angst um ihre Kinder: "Es kommt schon mal vor, dass eines der Kinder schneller im Badezimmer am Wasserhahn ist, als ich gucken kann", berichtet die Mutter von drei Kindern.

Die Sorge der Mieter scheint berechtigt. Das Umweltbundesamt warnt schon vor der kleinsten Bleikonzentration. Bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern könnten geringe Mengen das Nervensystem schädigen. Auch auf die Blutbildung und die Intelligenzentwicklung könne das Blei Einfluss nehmen.

Mieterverband rät, die Miete zu kürzen

Laut Vermieter seien bereits Ende August in einigen Wohnungen Wasserproben genommen worden. Die Ergebnisse stünden noch aus. Der Mieterverband Niederrhein empfiehlt, so lange die Miete zu kürzen. Die Stadt Krefeld hat angekündigt, sich den Fall genauer anzuschauen. Kai-Uwe Springer vom Mieterverband rät den Mietern abzuwarten und hofft, "dass die Stadt Krefeld mit Bußgeldern stärker in Aktion tritt".

Für die Mieter bleibt aktuell nur eins: Die Hoffnung, dass sieben Monate Ungewissheit vielleicht bald ein Ende haben.

Stand: 21.10.2021, 15:48