Außenansicht des Kraftwerks in Niederaußem

RWE prüft rheinische Kraftwerke als Notfallreserve

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat auch Folgen für die Kohlekraftwerke im Rheinischen Revier. Denn ihr Betreiber, der Energiekonzern RWE, will nun prüfen, welche Anlagen als Notfallreserve zur Verfügung stehen könnten.

Von Stephan Pesch

Im Fokus stehen dabei alle Kraftwerksblöcke, die wegen des Kohleausstiegs bereits abgeschaltet wurden, oder jetzt kurz vor ihrer Stilllegung stehen. Dazu gehört beispielsweise der Block C im Kraftwerk Neurath. Die 300 Megawatt leistungsstarke Anlage soll Ende des Monats vom Netz gehen. Überprüft würden aber auch vier bereits abgeschaltete Kraftwerksblöcke in Bergheim-Niederaussem. Zwei von ihnen - in 2018 abgeschaltet -  befinden sich noch bis Ende des Jahres in einer Sicherheitsbereitschaft, das heißt: Sie werden regelmäßig gewartet und könnten deshalb - bei einer Anforderung durch die Übertragungsnetzbetreiber - innerhalb von zehn Tagen betriebsbereit sein.

Rheinisches Revier als Back-up der Stromversorgung

Hintergrund der Prüfung sind Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine müsse gewährleistet sein, dass Kohlekraftwerke als Back-up zur Verfügung stünden, heißt es in einem am Donnerstagnachmittag (10.03.22) veröffentlichten Papier des Ministeriums. "Es ist das Gebot der Stunde, dass die Politik das ganze Spektrum der Maßnahmen ins Auge fasst, mit denen unsere Abhängigkeit von Rohstoffeinfuhren aus Russland verringert werden kann. Eine Möglichkeit kann dabei sein, Kohlekraftwerke, die sich in der Reserve oder in der Sicherheitsbereitschaft befinden, wieder zu nutzen", so ein RWE Sprecher.

Rheinische Bürgermeister sind informiert

Über die neueste Entwicklung sind auch am Donnerstagabend (10.03.) auch die rheinischen Bürgermeister, Landtags- und Bundestagsabgeordneten auf den aktuellen Stand gebracht worden. Auf einem Kommunalforum auf Schloss Bedburg erläuterte der Energieversorger das weitere Vorgehen. "Für unsere Braunkohlekraftwerke prüfen wir das, damit wir handelungsfähig sind, wenn die Bundesregierung derartige Maßnahmen für notwendig erachtet", so ein RWE Sprecher.

Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach, auch Mitglied im RWE-Aufsichtsrat, beschreibt die Situation als schwierig, da sich auch RWE in einem Prozess des Wandels befinde, und: Der Fahrplan für den verabredeten Kohleausstieg stehe nun mal, so der 42-Jährige. Doch wisse heute niemand, welche Konsequenzen der Ukraine-Krieg noch für Deutschland haben werde.