Missbrauchsvorwürfe: Korschenbroich hat Pfarrer-Straße umbenannt

Neues Straßennamenschild

Missbrauchsvorwürfe: Korschenbroich hat Pfarrer-Straße umbenannt

In Korschenbroich ist am Freitag eine Straße umbenannt worden, die einem katholischen Pfarrer gewidmet war. Gegen den Verstorbenen waren im Sommer Missbrauchsvorwürfe bekannt geworden.

Das neue Straßenschild mit der Aufschrift "An der Obstwiese" hängt seit dem frühen Freitagmorgen. Anwohner müssen im Zuge der Umbenennung nun in all ihren amtlichen Dokumenten ihre Adresse ändern lassen. Damit das möglichst schnell geht, öffnet die Stadt Korschenbroich am Samstag für alle Betroffenen ihr Bürgerbüro. Für Zustelldienste bleibt das Schild mit dem alten Straßennamen noch ein Jahr hängen, allerdings in durchgestrichener Form.

Rat beschloss Umbenennung einstimmig

Der Rat hatte die Umbenennung der "Johannes-Wolf-Straße" bereits im Sommer einstimmig beschlossen, nachdem die Umbenennung von der katholischen Gemeinde beantragt worden war. Da die Stadt Probleme bei der Zustellung von Briefwahlunterlagen verhindern wollte, hat die Straße erst jetzt ihren neuen Namen "An der Obstwiese" bekommen.

Gemeinde will ein Zeichen setzen

Der langjährige Pfarrer Wolf soll in den 50er- und 60er-Jahren Jungen und jungen Erwachsenen über Monate sexualisierte Gewalt angetan haben, entsprechende Vorfälle sind beim Bistum Aachen aktenkundig und anerkannt. Gerüchte über mögliche Vergehen des Priesters kursierten in Korschenbroich schon lange. Für den heutigen Pfarrer Marc Zimmermann waren die Vorwürfe im Sommer ein Anstoß, schnell zu handeln: "Mit diesem Wissen war mir klar, dass die Straße nicht weiter seinen Namen tragen kann".

Mehrere Tische im Halbrund in einer Aula, an denen mit Abstand Menschen sitzen

Der Rat in Korschenbroich

In der Gemeindeleitung sei man sich schnell einig gewesen, als Gemeinde bei der Stadt die Umbenennung zu beantragen. "Für uns ist es ein kleines, demütiges Zeichen an die Betroffenen, dass wir ihr erfahrenes Leid wahrnehmen und ernst nehmen", erklärte Zimmermann. Er will weitere Opfer damit ermutigen, über das Geschehene zu sprechen.

Stand: 01.10.2021, 21:16