Neues Kompetenzzentrum soll Unternehmen fit für Cybersicherheit machen

Neues Kompetenzzentrum in Bonn soll fit für Cybersicherheit machen.

Neues Kompetenzzentrum soll Unternehmen fit für Cybersicherheit machen

Von Jörg Sauerwein

Die Zahl der Cyberattacken auf Unternehmen in Deutschland steigt rasant. In Bonn gibt es jetzt ein neues Kompetenzzentrum für das Thema Cybersicherheit.

Das neue Kompetenzzentrum mit Sitz in Bonn und Bochum ist vor allem für kleine und mittlere Unternehmen eine zentrale Anlaufstelle für das Thema Cybersicherheit.

Angst vor Angriffen wächst

Für den Bonner Unternehmer Michael Christmann ist es ein Horrorszenario: Ein Cyberangriff könnte seinen Firmenserver lahmlegen. Sein Betrieb ist spezialisiert auf Stuckarbeiten und natürlich könnten seine Handwerker auf der Baustelle grundsätzlich weiterarbeiten. Aber die ganze Projektabwicklung laufe zentral auf dem Server über eine spezielle Software, erzählt Christmann.

Auf diese Daten müssen die Mitarbeiter normalerweise über ihre Smartphones zugreifen können. Und natürlich läuft unter anderem auch die Lohnabrechnung über den Rechner. Die Folge eines erfolgreichen Hackerangriffs sei einfach zu beschreiben, sagt Christmann: "Kein Server – keine Arbeit". Deshalb will er sich jetzt beim neuen "Kompetenzzentrum für Cybersicherheit in der Wirtschaft NRW" (https://www.digital-sicher.nrw/) beraten lassen, ob seine Sicherheitsvorkehrungen noch verbessert werden müssen.

Viele Unternehmen sind nicht gut aufgestellt

Gerade kleine und mittlere Betriebe haben häufig mit dem Tagesgeschäft genug zu tun. Schließlich muss Geld verdient werden. Das Thema Cybersicherheit steht da oftmals nicht ganz vorne auf der Agenda, sagte Andreas Pinkwart, NRW-Wirtschaftsminister bei der Eröffnung des Kompetenzzentrums in Bonn: "Da ist sicherlich noch Luft nach oben." Deshalb gehe es jetzt darum, den Mittelstand mehr zu sensibilisieren und zu informieren.

Die Unternehmen können kostenlos um Rat fragen und bekommen Tipps zum Beispiel zur Datensicherheit auf den Firmenservern oder den Smartphones der Mitarbeiter. Denn es kann inzwischen jeden Betrieb treffen, sagt eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom. Aktuell liege der Schaden durch Cyberangriffe für die deutsche Wirtschaft bei mehr als 220 Milliarden Euro pro Jahr.

Bedarf an Beratung wächst

Zunächst wird das neue Kompetenzzentrum mit seinen Standorten in Bonn und Bochum vom NRW-Wirtschaftsministerium mit insgesamt drei Millionen Euro für drei Jahre finanziert. In Bonn signalisierte Minister Pinkwart aber schon, dass in Zukunft wohl noch über eine Aufstockung der Mittel gesprochen werden müsse – denn der Bedarf an Beratung wachse genauso wie das Risiko, Opfer einer Cyberattacke zu werden.

"Die Angreifer schlafen nicht", sagte Pinkwart und ergänzte: "Die Szene professionalisiert sich in einer Weise global, wie man sich das in den schlimmsten Träumen nicht vorstellen mag."

Stand: 11.08.2021, 17:48

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