Kommentar: Das Rheinbad und die Welle der Hysterie

Kommentar: Das Rheinbad und die Welle der Hysterie

Von Thorsten Risch

Ausweiskontrollen, Videoüberwachung und bunte Armbändchen – das soll den Besuch im Düsseldorfer Rheinbad sicherer machen, nachdem das Freibad das dritte Mal in dieser Saison mit Hilfe der Polizei geräumt werden musste. Musste es das wirklich?

Sorry, liebe Stadt, und sorry, liebe Bädergesellschaft – das war übertrieben. Das lassen zumindest Zeugenaussagen vermuten. Und laut Oberbürgermeister, Stadtdirektor, Polizeipräsident und Bädergesellschaft selbst sollen das auch Videoaufnahmen zeigen, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Hier wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Mit Auswirkungen bis nach Berlin, wo Rufe nach "ausländerrechtlichen Konsequenzen" laut wurden. Die Folgen sind weitreichend – für alle Beteiligten.

Polizisten als Bademeister

Ausländisch aussehende Jugendliche werden stigmatisiert. Das Bäderpersonal, unterstützt durch Sicherheitsleute, wirkt unfähig. Die Polizei muss mehrmals dafür herhalten, dass Baderegeln eingehalten werden. Absurd! Liest man sich dazu Kommentare in sozialen Netzwerken durch, dann ist die Geschichte noch etwas: Öl im Feuer einer Hysterie.

Nennt die Presse die Herkunft der Täter nicht, ist das Geschrei groß. Nennt sie sie doch - in Düsseldorf wurden die Personalien von zwei Deutschen aufgenommen - ist es auch nicht okay. Das seien ja keine richtigen Deutschen, sondern welche mit Migrationshintergrund, heißt es dann. Merkt noch einer was?

Fehlalarm par excellence

Dann wird aus einer "Alarmstufe Rot" auch noch ein Fehlalarm par excellence. So muss sogar der Düsseldorfer OB sinngemäß eingestehen: Die Räumung wäre wohl nicht nötig gewesen! Wo soll das hinführen?

Nicht missverstehen: Es gibt Probleme mit aggressiven Jugendlichen, auch in Schwimmbädern. Auch das ist Fakt: Manche Probleme betreffen Gruppen, die überwiegend aus Menschen mit Migrationshintergrund bestehen.

Sicherheitsregeln für Düsseldorfer Schwimmbad

KiRaKa Thema des Tages 29.07.2019 03:44 Min. Verfügbar bis 28.07.2020 KiRaKa Von Niko Fischer

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Appell zu mehr Besonnenheit

Aber was wir nicht brauchen, sind Geschichten wie diese – wo Hysterie den Platz einnimmt, den Besonnenheit beherrschen sollte. Wo Schnelligkeit vor Gründlichkeit geht und wo am Ende das, was anfangs noch laut herausposaunt wurde - peinlich, peinlich - kleinlaut zurückgenommen wird.

Etwas mehr Ruhe täte wohl vielen gut, auch im Rheinbad. So wie früher, als nicht technische Maßnahmen nötig waren, sondern der strenge Blick des Bademeisters noch ausgereicht hat, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Wenn der heute dann noch mehrere Sprachen spricht: umso besser!

Wunschdenken? Wahrscheinlich! Gesellschaftliche Probleme lassen sich aber vermutlich nicht mit Bändchen und Kameras lösen, sondern nur von Menschen – die einander verstehen und respektieren.

Stand: 31.07.2019, 17:05