Drogenhilfe bestätigt Kokain-Schwemme in Düsseldorf

Eine Linie Koks wird durch einen zusammengerollten Geldschein gezogen, daneben liegt eine Rasierklinge

Drogenhilfe bestätigt Kokain-Schwemme in Düsseldorf

Von Meriem Benslim

  • In Düsseldorf ist Kokainkonsum um 16 Prozent gestiegen
  • Sozialarbeiter helfen in "Konsumraum" beim Ausstieg
  • 2017 eine Tonne Kokain in NRW beschlagnahmt

In Düsseldorf verkaufen Dealer zurzeit besonders viel und besonders reines Kokain. Das bestätigt die Düsseldorfer Drogenhilfe. Sie betreibt einen Drogenkonsumraum in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort können Suchtkranke ihre illegal gekauften Drogen mitbringen und unter Aufsicht konsumieren.

Zu reiner Stoff kann gefährlich sein

"Die meisten spritzen oder rauchen das Kokain", sagte Norbert Henneberg von der Düsseldorfer Drogenhilfe am Mittwoch (09.01.2019). Im Jahr 2018 ist der Kokainkonsum um 16 Prozent gestiegen, der Crackkonsum um 19 Prozent. Crack ist aufgekochtes Kokain.

Zudem hat sich der Reinheitsgrad der Droge mehr als verdoppelt. "Man muss schon aufpassen, damit man sich nicht überdosiert oder schlimmstenfalls verstirbt", so Hennenberg weiter.

Sozialarbeiter helfen beim Ausstieg

Drogenkonsumraum in Düsseldorf, Innenansicht

So sieht der Drogenkonsumraum von innen aus.

Damit Suchtkranke nicht sterben, gibt es einen sogenannten "Konsumraum" in Düsseldorf. Sozialarbeiter und Rettungssanitäter arbeiten hier rund um die Uhr, um im Notfall Leben zu retten. Außerdem wollen sie Infektionskrankheiten verhindern und Hilfe für den Ausstieg anbieten. "Wir vermitteln zum Beispiel in Entgiftungen und Therapien", sagte Sozialarbeiter Martin Seto.

Eine Tonne Kokain in NRW beschlagnahmt

Zurzeit ist das bei Kokain-Süchtigen gar nicht so einfach. Denn der Markt in ganz Nordrhein-Westfalen wird von der Droge regelrecht überschwemmt. Im Jahr 2017 wurde fast eine Tonne Kokain in NRW von der Polizei beschlagnahmt – eine Rekordmenge.

"Ein kranker Mensch gehört nicht in Haft"

Diesen florierenden Schwarzmarkt still zu legen, hält Suchtberater Hennenberg für utopisch. Um den Süchtigen zu helfen, fordert er stattdessen eine Gesetzesänderung. "Sucht ist eine Krankheit. Menschen, die massiv krank sind, werden strafrechtlich verfolgt. Das kann nicht richtig sein. Ein kranker Mensch gehört nicht in Haft", sagte er.

Kokain-Schwemme in NRW

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 14.01.2019 03:23 Min. Verfügbar bis 11.01.2020 WDR 5

Download

Stand: 11.01.2019, 13:04