Kölsch statt Abendmahl

Bar in der Kirche St. Michael Köln

Kölsch statt Abendmahl

Von Milena Furman

Bier in der Kirche. „Ja, auch das ist katholisch“, sagt Lisa Brentano. Sie ist Theologin und hat zusammen mit ihrem Team ein neues Konzept erstellt, mit dem sie der Gemeinde St. Michael am Brüsseler Platz neues Leben einhauchen will.

Die neu gegründete Gemeinde „Kirche für Köln“ will frischen Wind in die drittgrößte Kirche Kölns bringen – und das unter anderem mit Bier. Im Eingangsbereich der Kirche steht eine kleine Bar. Hier gibt es Wasser, Limo und Kölsch.

Hier kann man sich während des Gottesdienstes oder wenn andere Veranstaltungen laufen, etwas zu trinken holen, weil wir wollen, dass sich die Leute, die hier herkommen, wohl fühlen“, erklärt Lisa Brentano. Zurzeit geht das allerdings aufgrund der Pandemie noch nicht.

Yoga-Raum in der Krypta

Das ist aber nicht alles. Die Kirche hat auch umgeräumt: Lisa Brentano und ihr Team haben die massiven Kirchenbänke aus der Kirche entfernt und sie durch Stühle und gemütliche Sitzecken ersetzt. Außerdem gibt es Kuscheldecken, Ohrensessel und eine Spielecke für Kinder. Im Keller der Kirche, in der Krypta, haben Lisa und ihr Team sogar einen Yoga-Raum eingerichtet. Hier sollen, sobald Corona es zulässt, Yoga-Kurse angeboten werden. Statt eines Altars gibt es eine Bühne, von der aus auch die Gottesdienste gefeiert werden.

Kölner Gemeinde betritt Neuland

Sessel und eine gemütliche Sitzgruppe mit Tisch stehen in der Kirche

Und auch sonst geht die Gemeinde neue Wege. Statt Orgelmusik gibt es eine Live-Band, der Gottesdienst wird von Lisa Brentano und ihrem Team gefeiert. Außerdem dürfen in St. Michael sowohl Männer als auch Frauen predigen und auf die typisch katholischen Rituale wie Eucharistie, also das Abendmahl, verzichtet die Gemeinde bewusst.

Eine Kirche für alle Kölner

Das Konzept von Lisa Brentano ist anders und entspricht nicht dem klassischen Bild von Kirche. Aber das ist gewollt, sagt die Theologin. „Wir wollen zeigen, dass auch das katholisch ist“, sagt sie. „Wir wollen eine Gemeinde, die alle Menschen anspricht. Im besten Fall auch diejenigen, die mit Kirche nicht mehr so viel zu tun haben.

Das Konzept kommt gut an. Silke Floßdorf ist Mutter von zwei Töchtern. Sie ist vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Seit Januar kommt sie regelmäßig zum Gottesdient und sagt: „Vorher hab ich nie in das ‚Raster Kirche‘ gepasst. Aber hier können wir sein wie wir sind. Es ist eine tolle Gemeinde. Die, die das machen, machen das mit viel Liebe.“

Traditionelle Gottesdienste mit Priester und Eucharistie gibt es natürlich trotzdem noch in St. Michael. Der Altarbereich ist durch einen Vorhang vom restlichen Kirchenraum getrennt. Hier findet wie gewohnt einmal im Monat eine Messe mit Kommunion und Band- und Livemusik statt.

Stand: 23.04.2021, 11:04

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