Weihnachtsmärkte: Städte warten auf Signal der Landesregierung

Weihnachtsmärkte: Städte warten auf Signal der Landesregierung

Die beliebten Kölner Weihnachtsmärkte am Dom sowie auf dem Heu- und dem Alter Markt werden wegen Corona abgesagt, auch der Engelchen-Markt in Düsseldorf fällt aus. Was planen andere Städte?

Rund sechs Millionen Menschen zieht es zur Weihnachtszeit für gewöhnlich nach Köln, viele kommen sogar extra aus dem Ausland, um einen Glühwein mit Domblick zu trinken. In diesem Jahr ist aber alles anders. Denn die Weihnachtsmärkte auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom sowie auf dem Heu- und auf dem Alter Markt wurden von Betreiberseite wegen der Corona-Pandemie frühzeitig abgesagt.

Diese Entscheidung hält der Virologe Dr. Rolf Kaiser von der Universität Köln für richtig: "Auf dem Weihnachtsmarkt trinkt man Glühwein. Die wenigsten werden die Maske zum Trinken abnehmen und dann wieder aufsetzen. Das wird dazu führen, dass viele Menschen ohne Maske in engem Abstand stehen. Das ist ein Risiko", sagte der Experte im Morgenecho von WDR 5. Daher müsse man nun in den sauren Apfel beißen und die Märkte absagen. 

Wirtschaftliche Bedeutung der Weihnachtsmärkte

- Weihnachtsmarkt-Besucher geben durchschnittlich 18 Euro pro Besuch aus
- Rund 160 Millionen Besucher pro Jahr
- Umsatz beträgt bundesweit rund drei Milliarden Euro
- Kirmes-Schausteller machen bis zu 50 Prozent ihres Jahresumsatzes auf Weihnachtsmärkten
- Die Märkte haben wirtschaftliche Folge-Effekte für Einzelhandel, Hotels und Gaststätten
(Quelle: Studie des Schaustellerbunds 2018)

Stadt Köln verbietet keinen Weihnachtsmarkt

Wie es um die anderen Märkte in Köln steht, ist noch unklar. Die Stadt will von sich aus allerdings keinen einzigen Weihnachtsmarkt verbieten. Das erfuhr der WDR aus dem Rathaus.

Jeder Betreiber müsse aber eine schlüssiges Abstands-und Hygienekonzept vorlegen. So ist zum Beispiel pro Besucher ein Platzbedarf von sieben Quadratmetern vorgesehen. Ob sich das dann für die Betreiber der großen Weihnachtsmärkte rechnet, ist derzeit noch nicht bekannt.

Große Unsicherheit im Land - Absagen in Dormagen, Düsseldorf und Hamm

In Nordrhein-Westfalen herrscht momentan eine große Unsicherheit bezüglich der Weihnachtsmärkte. In Dormagen wurde der klassische Weihnachtsmarkt bereits Anfang Juli abgesagt. Auch in Düsseldorf steht noch nicht fest, wo und unter welchen Bedingungen Weihnachtsmärkte stattfinden werden. Sicher ist bislang nur, dass es wohl keine Stände auf Durchgangsstraßen geben wird. Auch der Engelchen-Markt auf dem Heinrich-Heine-Platz fällt aus. Für die anderen Standorte würden derzeit Hygienekonzepte erarbeitet.

Nach einem Bericht des "Westfälischen Anzeigers" fallen in Hamm drei Märkte aus. Der Veranstalter sagte der Zeitung, Stöbern an Ständen, Plaudern am Glühweinstand und unbekümmertes Spielen für die Kinder sei mit Abstandsregeln nicht umsetzbar. Das könne niemand kontrollieren.

Cranger Weihnachtszauber findet statt - manche Städten planen mehrgleisig

Die Weihnachtskirmes in Herne soll nach Informationen des WDR nach Möglichkeit stattfinden: Die Veranstalter planen einen Freizeitpark mit Hygienekonzept auf dem Gelände am Rhein-Herne-Kanal. Der Bereich soll komplett eingezäunt werden und nur mit einem Ticket zugänglich sein.

In Bochum werden derzeit mehrere Konzepte gleichzeitig erstellt. Perssesprecher Christian Gerlig sagte dem WDR auf Anfrage, das Problem sei eine fehlende Entscheidungsgrundlage. "Wir warten genau wie die Karnevalisten auf eine Entscheidung der Landesregierung, welche Regeln für die Weihnachtsmärkte gelten. Wenn wir diese haben, können wir auch an unsere Vertragspartner, sprich die Standbesitzer, herantreten, und sie fragen, ob sie bei dem entsprechenden Konzept mitmachen wollen."

Andere Städte warten ab

Ähnlich geht die Stadt Münster vor. Dort werden wie in Bochum unterschiedliche Varianten geplant. Die Stadt Bonn teilte dem WDR mit, man arbeite mit Hochdruck am Thema Weihnachtsmärkte, habe aber noch keine Entscheidung getroffen.

Die Stadt Aachen hatte bis Donnerstag schon erste Gespräche mit den Veranstaltern geführt, eine Entscheidung stehe aber weiterhin aus.

"Bielefeld nicht vergleichbar mit Köln"

Das Stadtmarketing Bielefeld ist weiter zuversichtlich, einen Weihnachtsmarkt organisieren zu können. Der Kölner Weihnachtsmarkt sei nicht mit anderen Weihnachtsmärkten vergleichbar, "da er für seine Enge und die außergewöhnliche Feierstimmung bekannt ist", hieß es aus Bielefeld. Und weiter: "Aktuell stimmen wir uns mit anderen Städten in NRW und Landesministerien ab, um die Rahmenbedingungen für Weihnachtsmärkte festzulegen. Hier erhoffen wir klare Aussagen in den nächsten Wochen."

Auch in Essen ist man zuversichtlich. Marketing-Sprecher Florian Hecker sagte, die Essener Innenstadt böte viel Raum, sodass dort ein Weihnachtsmarkt eher vorstellbar sei als in Städten mit engen Gassen. Man warte aber auf die Vorgaben vom Land, um ein Hygienekonzept auszuarbeiten.

In Gelsenkirchen-Buer soll zum ersten Mal ein eigener Weihnachtsmarkt entstehen. Die Organisatoren überlegen, den Besucher-Zufluss über Drehkreuze zu regeln.

Stand: 28.08.2020, 17:52